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Albanien – Kosovo – Mazedonien Tag 5 – 06. September 2018

Tag 5 – Valbona Pass – Theth

Die “Königswanderung” 

Wir frühstücken zeitig und reichlich, denn heute werden auf der anstrengendsten Wanderung der gesamten Reise sehr viele Kalorien verbrannt! Wir durchwandern die Albanischen Alpen und überqueren dafür den Valbona-Pass. Dabei begleiten uns Pferde, die unser Gepäck transportieren. Das Hauptgepäck deponieren wir im Bus. Die Anstrengung lohnt sich, denn wir bestaunen unberührte Landschaft und blicken auf erstaunliche Panoramen. Der Pfad ist ziemlich gut begehbar und von der Trittfestigkeit her nicht schwierig. Wir durchwandern Buchenwälder und schauen auf saftig grüne Almweiden sowie die höchsten Berggipfel Albaniens wie den Radohima oder Jezerca. Nach 150 Meter Aufstieg passieren wir das Dorf Rragam. Ungefähr auf der Hälfte des Weges liegt der 1.759 Meter hohe Valbona-Pass, von dem es wieder abwärts geht bis ins etwa 700 Meter hoch gelegene Theth. In diesem Dorf wird die traditionelle Kultur noch groß geschrieben. Wenn wir am späten Nachmittag ankommen, werden allerdings die Wenigsten noch Lust bzw. Kraft haben, die wundervolleUmgebung zu entdecken.   
Aktivität: Gehzeit 7 - 8 Std. (9km ↑ 850m ↓ 1.050m) 
Fahrstrecke: - | Übernachtung: Harusha Guesthouse in Theth | Mahlzeiten: F,A

Das Wetter hatte sich wieder gebessert und so konnte es nach dem Frühstück zur “Königswanderung” losgehen. Nur mit dem Tagesrucksack, das Hauptgepäck wurde mit unserem Bus transportiert, warteten wir gespannt auf unseren einheimischen Guide. Da unsere Gruppe überschaubar war, waren auch keine Pferde – wie in der Reisebeschreibung angekündigt – vonnöten, ein Pferd reichte um die paar Beutel mit zusätzlichen Sachen zu transportieren. Ein letzter Schnappschuss dann ging’ s endlich los.

Führte der Weg anfangs noch im Flussbett über Kies und Geröll, wurde es mit der Zeit besser je weiter es in die Berge ging. Beginnend mit dem Aufstieg wechselte der Untergrund zu Grasnarben und festgetretenen Pfaden, so kam nun ein wenig Wanderfeeling auf.

Je höher es ging umso größer wurden die Abstände in der Gruppe. Jeder musste sein eigenes Tempo finden. Das ich zusammen mit Annette am Schluss der Gruppe war, lag nicht an mangelnder Kondition, sondern war einfach der Tatsache geschuldet, dass wir immer wieder mal stehen blieben, um die Landschaft zu genießen und Fotos zu machen.

Auch wenn der Weg nun ein wenig steiler wurde, als übermäßig anstrengend habe ich es bisher nicht empfunden, dennoch war jede Abwechslung – sei es durch eine kleine Pause wie im Simoni Kaffee – durchaus willkommen. Da hier oben, die Stromversorgung natürlich zu wünschen lädt, behilft man sich mit Alternativen zum Kühlschrank.

Nun mal ein kleiner Vergleich von unterschiedlicher Wahrnehmung. Ich: ohne groß nachzudenken, Kamera raus und einfach draufgehalten. Annette: überlegt und sucht eine passende Perspektive, so gelingt ihr ein wirklich guter Schnappschuss. Da werde ich bei meinen zukünftigen Reisen wohl verstärkt drauf achten müssen.

Nach der kurzen Rast ging es hinter dem “pupsenden Gaul” (O-Ton Stefanie) weiter bergauf. P.S. auch ein Vorteil, wenn man am Ende der Gruppe läuft….

Übrigens hatten wir neben Mr. Ed noch einen weiteren tierischen Begleiter – einen Namen hat er allerdings nicht bekommen, nennen wir ihn also einfach “Hund”. Hunde sind ja bekanntlich die treuesten Begleiter des Menschen, so teilt man auch gerne Wasser und Proviant.

Nun begann die Passüberquerung. Je höher wir kamen umso kälter und windiger wurde es. Ein Windbreaker oder Fleesejacke ist in den Höhen angeraten. Am Höchsten Punkt unserer Passüberquerung war natürlich noch ein Fotostopp angesagt. Nicht alle wagten, die letzten Meter, aber dass wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Und ich kann sagen, ich war oben!

die anderen Gipfelstürmer – Annette, Catherine und Thomas

Mit Blick talwärts begann der Abstieg. Viele behaupten ja hoch geht leichter als runter, ich laufe lieber runter, auch wenn es mächtig auf die Knie und Waden geht. Und man(n) kommt schneller ins rutschen. Natürlich musste ich mich auch einmal hinlegen, auf dem Kiesuntergrund passiert das schon mal. Gehört für mich dazu, es ist ja nichts passiert.

Eine letzte Einkehr – verdursten muss keiner auf der Wanderung – dann ging es gestärkt weiter nach Theth, dass als Geburtsort des Wandertourismus in Albanien angesehen wird. 2005 nahm alles mit vier Projektfamilien, die einige Betten und ein modernes Badezimmer erhielten seinen Anfang. 2014 kamen bereits über 15.000 Gäste, und heute scheint beinahe jedes Haus Zimmer anzubieten. So waren wir in unserer Unterkunft auch nicht die einzigen Gäste. 

Auch wenn es laut Reisebeschreibung damit für den Tag genug sein sollte, für uns war es noch lange nicht genug. Den für den morgigen Tag angekündigten Ortsrundgang haben wir vorgezogen. Nachdem jeder sein Zimmer bezogen und sich kurz frisch gemacht hatte, ging es weiter. In der Mitte des langerstreckten Ortes steht eine kleine Kirche, die leider nur von außen besichtigt werden kann.

Hauptanziehungspunkt und Attraktion des Dorfes ist aber der sehr gut zugängliche Blutracheturm. Sein Alter wird auf bis zu 400 Jahre geschätzt, er wird heute als Museum genutzt und kostet 150 Lek Eintritt. Zu sehen sind einige Bilder und Trachten. Der Besitzer Sokol empfängt die Gäste in der Saison mit Kaffee und anderen Getränken; manchmal spielt er auch Melodien auf einem Pflaumenblatt. Dies Vergnügen hatten wir nicht, dennoch war es sehr informativ und zugleich auch erschreckend. Albanien wird immer sehr eng mit dem Begriff Blutrache assoziiert. Nähere Erläuterungen möchte ich mir hier in dieser Stelle ersparen und verweise auf den Artikel im Cicero zu diesem Thema. 

Abends gab es dann wieder traditionelle albanische Kost. An die Tomaten hatte ich mich ja mittlerweile gewöhnt, nicht anfreunden kann ich mich dagegen mit dem Ziegen- und Schafskäse. Da bleibe ich doch lieber bei Gouda und Emmentaler…

Den Abend haben wir dann bei Bier und Raki ausklingen lassen. Fazit des Tages: rundum gelungen, das Wetter hat mitgespielt, die Wanderung und die Ausblicke waren toll und die Truppe harmoniert immer besser. Zum Schluss noch die Galerie mit den allen Bildern vom heutigen Tage.

In der nächsten Galerie zeige ich noch ein paar Bilder von meiner treuen Wegbegleiterin Annette, die wirklich die besseren Fotos macht. Die Bildrechte liegen ausschließlich bei ihr.

Veröffentlicht in Albanien 2018 Gruppenreisen

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