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Edinburgh – Tag 2

Am zweiten Tag stand der „Aufstieg“ zum Arthur’s Seat auf dem Programm. Imposante 251 Höhenmeter galt es zu bezwingen. Belohnt werden sollte es mit einem imposanten Panoramablick über Edinburgh. Wenn denn das Wetter mitgespielt hätte…

Der Wetterbericht hatte es schon angekündigt, auch für den Dienstag waren Regenschauer angesagt. Aber man hofft ja. Beim Frühstück auf dem Zimmer habe ich die deutschen Brötchen und den Kaffee vermisst. Das Weißbrot und der lösliche Pulverkaffee sind so gar nicht nach meinem Geschmack. Danach ging es bei Nieselregen los. Ein Vorteil hat das Wetter ja, die Wege zum Gipfel sind nicht so überlaufen.

„Einen Weitblick bis zu 100 km an schönen Tagen erlaubt die landwirtschaftlich dramatischste der drei vulkanischen Erhebungen im Stadtkern (251 m). Wie ein Festungswall erhebt sich der Block aus Eruptivgestein südlich von Holyroodhouse und Parlamentsgebäude. Steil führt ein Weg entlang der schroffen Salisbury Crags zum Gipfel hinauf. Schon nach gut 100 m Anstieg erlaubt Ihnen die gewonnene Höhe den besten Blick auf das Parlament, dessen Einbau in die Altstadt sich nur aus dieser Perspektive übersichtlich erschließt. Feste Schuhe und wetterfeste Kleidung sind angebracht, wenn Sie den bis zu 8 km langen Rundweg über die Höhe fortsetzen wollen. Das wilde Terrain und das schnell wechselnde Wetter können durchaus überraschen.“

Der Gipfel des Arthur’s Seat liegt bekanntermaßen auf 251 Metern Höhe, und ist im Prinzip nur ein Gipfel eines ganzen Massivs, das sich im Holyrood Park erhebt. Daneben liegen auch noch die Salisbury Crags, steile, zerklüftete Steinwände, die sich rund hundert Meter auftürmen und oben einen Tafelberg bilden.

Rund um den Arthur’s Seat und den Holyrood Park führt eine Ringstraße, an der zwei Seen liegen – St. Margeret’s Loch und Dunsapie Loch.

St. Anthony’s Chapel Ruine im Holyrood Park

Grundsätzlich führen zwei Wege den Arthur’s Seat hoch: Relativ leicht es von der Ostseite ab Dunsapie Loch, denn von dort steigt der Berg zunächst sanft an. Südwestlich dagegen geht der direkte und steilere Weg in kleinen Serpentinen und Treppen nach oben. Beide Varianten enden unterhalb des Gipfels und die letzten Meter sind steil und es gibt nur schmale Pfade. Zumal diese nicht immer auf den ersten Blick gut zu erkennen sind. Also läuft man manchmal einfach querfeldein. Gutes, festes Schuhwerk sollte man schon tragen.

Früher ein Feuer spuckender Vulkan, treffen sich heute an den grünen Hängen die Edinburgher zum Feierabendbier. Stadtbergsteiger wandern zum Gipfel hinauf und Jogger nutzen Arthur’s Seat als Freiluft-Fitnessstudio.

Blick auf die Salisbury Crags

Eine Panoramatafel in Form einer Himmelsrichtungsscheibe gibt Auskunft über die Bergspitzen, die zu erblicken sind. Nur war diese für mich an diesem Tag völlig unbrauchbar, da die Sicht gleich Null war.

Bin 2x auf dem Gipfel gewesen – beim ersten Mal Null-Sicht

Nach fast 5 Stunden Wanderungen bei Regen im Holyrood Park hatte ich genug von dem Wetter und so machte ich mich in Richtung Altstadt.

In der Royal Mile war auch dem miesen Wetter genug los.

Edinburgh Castle – eine Burg zum Aufschauen, in der Tat der Höhepunkt der Stadt, nicht wegen ihrer brachialen Gestalt, sondern wegen der Exponiertheit auf einem der drei vulkanischen Innenstadthügel. Castle Hill fällt nach drei Seiten steil ab, nach Osten hingegen balanciert seine sanfte Flanke die Altstadt langsam zu Tal.

Auf die Besichtigung habe ich diesmal verzichtet, zum einem da das Wetter nicht mitspielte und zum anderen, die Schlange bei den Eintrittskarten war doch ziemlich lang. Gut, man hätte sich die Karten auch im Vorfeld über das Internet bestellen können. Habe ich aber nicht, so blieb nur ein kurzer Blick in den Innenhof.

Auf dem Vorplatz waren schon die Tribünen für das alljährliche Edinburgh Military Tattoo aufgebaut. Das Spektakel findet immer im August statt. Öfters im Fernsehen oder auf DVD gesehen, will ich dieses zu einem späteren Zeitpunkt auch mal live erleben.

Am Nachmittag wurde das Wetter endlich besser, nun hatte ich aber keine Lust mehr den Gipfel nochmals zu erstürmen. In der Altstadt gab es noch genügend Sehenswürdigkeiten. Laut Reiseführer sollte man unbedingt das „Elephant House“ und „Greyfriars Bobby“ besichtigen.

Auf das „Elephant House“ bin ich dann auch eher zufällig auf dem Weg zur Statue von Greyfriars Bobby gestoßen. Hatte mich vorher auch nicht großartig belesen, so dass ich nicht wusste, was mich dort erwartet.

Im Elephant House schrieb Joanne K. Rowling ihre erfolgreichen Romane über den Zauberlehrling Harry Potter. Und somit ist das Cafe in der Altstadt zur Pilgerstätte für viele Harry-Potter-Fans aus aller Welt geworden.

In großen Lettern steht im Fenster des Cafes „The Elephant House – Birthplace of Harry Potter“. Über einer Zeichnung, die eine blonde Frau im rötlichen Halbdunkel des Cafes mit Stift und Papier zeigt, prangen die Worte: „Magisch! Das ist die einzige Art, das Elephant House zu beschreiben. Erlebe die gleiche Atmosphäre wie J.K.Rowling, als sie einem Kaffee grübelte und ihren ersten Harry-Potter-Roman schrieb.“

Auch wenn ich absolut kein Harry-Potter-Fan bin, reingegangen bin ich dann doch. Der magische Funke ist aber bei mir nicht übergesprungen. Vielleicht lag es aber auch Schild – Sie werden platziert. Das kenne ich noch aus alten DDR-Zeiten…

Weiter ging es dann zur Statue von Greyfriars Bobby. Greyfriars Bobby (*1855/56, † 14. Januar 1872) war ein Skye Terrier, der durch seine sagenhafte Treue zu seinem Herrn bekannt wurde.

„Bobby gehörte dem Polizisten John Gray und soll nach dessen Tod im Jahr 1858 die übrigen 14 Jahre seines eigenen Lebens an Grays Grab auf dem Kirchhof der Greyfriars Kirk in der Altstadt von Edinburgh verbracht haben. Er verließ seinen Platz nur zu den Mahlzeiten, die ihm in nahegelegenen „Coffee House“ gereicht wurden. Zeitgenössischen Berichten zufolge fanden sich zur Mittagszeit regelmäßig Schaulustige vor dem Friedhof ein, um den Hund bei seinem täglichen Gang zum Coffee House zu beobachten, zu dem er jeweils nach Abfeuerung der Ein-Uhr-Kanone aufmachte. Bobby starb schließlich im Alter von 16 Jahren und wurde ebenfalls auf dem Greyfiars Kirkyard beerdigt – heimlich, weil dort eigentlich keine Tiere beerdigt werden dürfen, doch in diesem Fall wäre jeder andere Ort undenkbar gewesen.“

Ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat, da gehen die Meinungen auseinander. Vielleicht wurde die Geschichte im Laufe der Zeit immer weiter ausgeschmückt. Der Historiker Jan Bodeson von der Universität Cardiff vertritt die These, die gesamte Geschichte sei ein Hoax zur Förderung des Tourismus. Bei dem beobachteten Hund habe es sich um zwei verschiedene Tiere gehandelt, von denen keiner jemals John Gray gehört habe. Egal was nun richtig ist – ein Touristenmagnet ist die Statue allemal.

Was mich nur traurig macht, ist das in ganz Edinburgh Hunde auf den Friedhöfen verboten sind. Gerade in diesem Fall eigentlich ein Unding.

Schon kurz nach Bobbys Tod schuf der Bildhauer William Brodie 1872 eine lebensgroße Statue, die vor dem Pub vor dem Friedhof Greyfriars Kirkyard in Edinburgh dem treuen Hund ein Denkmal setzte. Die Nase des Terriers ist vom vielen Anfassen richtig schön poliert. Weiterhin wurde vor der Kirche an der Stelle, an der Greyfriars Bobbys Grab vermutet wird, ein Grabstein mit der Inschrift „Let his loyalty and devotion be a lession to us all“ (Lasst seine Treue und Ergebenheit uns allen eine Lehre sein) errichtet. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Danach bin ich einfach ein wenig planlos in der Gegend rumgelaufen und durch Zufall auf einen der vielen großen Parks gestoßen. The Meadows – ein großer Park, umsäumt mit vielen Bäumen lädt ein zum Spazierengehen, Fahrradfahren oder Joggen. Fußball oder Cricket wird überall gespielt. Grillplätze sind ausgeschildert, so dass bei schönem Wetter hier eine Menge los ist. Und das Wetter zeigte sich jetzt endlich mal von seiner schönsten Seite. Die Wohnungen an der Parkgrenze sind bestimmt begehrt, bei der Aussicht…

Cricket – ich begreife das Spiel nicht …
Was diese Wohnungen wohl kosten?

Über die Lothian Rd bin dann wieder Richtung Stadtzentrum zurückgelaufen. Vorbei ging es an der Usher Hall, einer Konzerthalle, deren Bau durch eine Spende des Mäzens und Whiskyproduzenten Andrew Usher (1826 – 1998) möglich gemacht wurde. Die Halle verfügt über 2000 Sitzplätze auf drei Ebenen. Über der Bühne ist eine Pfeifenorgel eingebaut. Es finden klassische Konzerte, aber auch Jazz-, Pop-, und Rockkonzerte statt.

Von der Castle Terrace hat man dann einen phantastischen Blick auf die Burg. Die Lothian Rd mündet dann in die Princess Street. Zur richtigen Tageszeit und bei entsprechendem Wetter kann man von hier die besten Blicke auf Edinburgh Castle erhaschen.

Der Princes Street Gardens zu Fuße von Edinburgh Castle ist ein beliebter Treffpunkt. Innerhalb des Parks befinden sich viele Statuen und Denkmäler. Das auffälligste ist das 1844 zu Ehren von Sir Walter Scott im gotischen Stil erbaute Scott-Monument.

In der Mitte des Denkmals ist eine Skulptur des Schriftstellers zu sehen. Es zeigt einen sitzenden Sir Walter Scott mit seinem Hund Maida. Scott Monument hat mehrere Aussichtsplattformen, die nach maximal 287 Stufen einen wunderbaren Blick auf das Zentrum von Edinburgh und seine Randgebiete bietet.

Dann reichte es mir den Tag und ich machte mich auf den Heimweg. Noch ein kurzer Blick in den Souvenirläden  im Holyrood Palace:

die Queen liebt ihre Hunde und ich unsere Emma…

und auf die bescheidene Unterkunft der Queen, wenn sie denn mal in Edinburgh weilt.

Abendessen auf dem Zimmer und ein bisschen Bettlektüre zur Einstimmung auf den morgigen Tag, das war’s… Morgen dann der Ausflug zum anderen UNESCO-Weltkulturerbe der Forth Bridge. 

 

Veröffentlicht in Edinburgh 2017 Städtereisen

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