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Budapest – Tag 2

Für den zweiten Tag habe ich mir folgendes Besuchsprogramm vorgenommen: Jüdische Synagoge, Andrássy út, Heldenplatz mit Stadtwäldchen, Besichtigung des Parlaments und der Altstadt von Buda.

Gut geschlafen, frisch geduscht ging es um kurz nach 7:00 Uhr zum Frühstück. Ich war nicht der erste, das Hotel scheint gut gebucht zu sein oder der Frühstücksraum zu klein – wahrscheinlich von beidem etwas… Das Frühstück war okay, natürlich keine deutschen Brötchen, aber genug und reichhaltig Auswahl war da. Der Kaffee entsprach leider nicht meinen Gewohnheiten, dann musste eben ein “Cappuccino” mit Espresso genügen. In 3 Tagen gibts wieder richtigen Kaffee. Frisch gestärkt ging es dann kurz nach 8:00 Uhr los.

Das jüdische Viertel

Große Synagoge – die größte Synagoge Europas errichtete der Wiener Architekt Ludwig Förster 1854 – 59 im byzantinisch-maurischen Stil. Der dreischiffige Bau hat, nach orthodoxer Tradition, separate Emporen für die Frauen. Der untere Bereich und die Galerien fassen ca. 3000 Gläubige. Einige Details, etwa die Position der Birma, spiegeln Elemente des Reformjudentums wider. Das Innere wurde von Aron Hakodesz und Frigyes Feszl kostbar ausgestattet.

Seit 1931 gehört zur Synagoge ein Museum, das eine umfangreiche Sammlung historischer Reliquien und judaischer religiöser Gegenstände vom alten Rom bis zur Gegenwart ausstellt. Zu sehen sind u.a. das Buch der Chevra Kadisha (1792) und Dokumente zur Judenverfolgung. 1991 wurde das Holocaust-Denkmal enthüllt.

Das große Rosettenfenster ist der Blickfang der Fassade mit den beiden reich verzierten Türmen, die von auffälligen Zwiebelhauben gekrönt werden.

Die Fassade aus roten und hellen Ziegeln weist kunstvolle Keramikfriese auf. Eine hebräische Inschrift aus dem zweiten Buch Mose (And let them make Me a sanctuary that I may dwell among them- (Exodus 25,8) –>”Dann haben sie ein Heiligtum für mich, und ich werde unter Ihnen wohnen.”) ist unter der Fensterrose zu lesen.

Holocaust-Denkmal – Die Skulptur einer Trauerweide von Imre Varga wurde 1991 enthüllt. Sie gedenkt der 600 000 ungarischen Juden, die unter den Nationalsozialisten ermordet wurden. Der Schauspieler Tony Curtis finanzierte das Denkmal mit.

Die Synagoge öffnet erst um 10:00 Uhr und um angemessene Bekleidung wird gebeten. Das heißt keine kurze Hosen und die Frauen müssen die Schultern bedeckt halten. Zählen jetzt Bermuda-Shorts zu den kurzen Hosen? Ich wollte mich auf keine lange Diskussion einlassen, zumal noch eine halbe Stunde bis Öffnung gewartet werden müsste. Ich bin dann lieber die Seitenstraßen abgebogen und habe dort auf einem Parkplatz ein schönes Motiv entdeckt:

So lobe ich mir mal Graffiti! Auch wenn die Glanzseiten des ungarischen Fussballs schon einige Jahre zurückliegen, weckt das Erinnerungen. In Kanada habe ich ähnliche, großflächige Bemalungen von Häusergiebeln gesehen. Würde ich mir für Deutschland auch wünschen…

Andrássy út

Die Andrássy út beginnt ein kleines Stück nordöstlich des Denk Ferenc tér (die Metro-Station bietet sich somit als idealer Ausgangspunkt an) und verläuft dann 2,5 km weit bis zum Heldenplatz (Hösök tere) und dem weitläufigen Stadtwäldchen (Városliget). Die Straße zählt zum Unesco-Weltkulturerbe und präsentiert sich als eine von Bäumen gesäumte Parade architektonisch herausragender Gebäude. Die Straße sollte man im Rahmen eines längeren Spaziergangs erkunden.

Zu den interessanten Sehenswürdigkeiten entlang der Straße gehören neben der Ungarischen Staatsoper, das “Haus des Terrors” und der herrliche Kodály körend: Der runde Platz liegt etwa auf der Hälfte der Strecke.

Die kleine, aber feine Ungarische Staatsoper beherbergt das staatliche Opernensemble und das ungarische Nationalballett. Die Oper hat die drittbeste Akustik in Europa – nach der Mailänder Scala und der Opera Garnier in Paris. Von letzterer ließ sich offensichtlich Architekt Miklós Ybl inspirieren, als er das Gebäude im Stil der Neu-Renaissance entwarf. Seit 1884 wird es bespielt. Die Fassade ist mit Statuen von Komponisten wie Liszt, Mozart, Verdi und Puccini geschmückt.

Innen beeindruckt das Hauptfoyer mit Marmorsäulen, vergoldeten Gewölbedecken, Wandmalereien und Kronleuchtern. Der hufeisenförmige Zuschauersaal mit seiner (einst) innovativen Guckkastenbühne und herrlichen Deckengemälden von Károly Lutz bietet lediglich 1261 Zuschauern Platz, doch die sagenhafte Akustik macht sogar Opernfreunden in der Galerie im dritten Stock noch glücklich. Der Zuschauersaal ist allerdings nur im Rahmen einer kostenpflichtigen Führung zu besichtigen.

Wandgemälde – Das Deckengewölbe im Foyer schmücken Fresken von Bertalan Székely und Mór Than. Sie stellen die neun Musen dar.

Foyer – Das Foyer mit seinen Marmorsäulen, den vergoldeten Deckengewölben und Kronleuchtern verleiht dem Opernhaus einen überaus prunkvollen Anstrich.

Da Führungen erst am Nachmittag stattfanden, musste ich leiden passen. Weiter ging es Richtung Heldenplatz.

Haus des Terrors

Das beeindruckende Museum mit dem Namen “Haus des Terrors” befindet sich im ehemaligen Hauptquartier der gefürchteten ÁHV-Geheimpolizei. Die Geschichte des Gebäudes ist grauenerregend (und irgendwie auch gespenstisch), denn an just diesem Ort wurden unzählige politische Aktivisten jeder Gesinnung vor und nach dem Zweiten Weltkrieg verhört und gefoltert. Wegen der doppelt dicken Wände drangen die Schreie nicht nach außen.

Das Museum beschäftigt sich in seiner Dauerausstellung “Doppelte Besetzung” mit den Verbrechen und Gräueltaten, die von den ungarischen Faschisten wie auch vom Stalin-Regime begangen wurden. Die Besucher werden am Eingang vom roten kommunistischen Stern und vom schwarzen Pfeilkreuz der Faschisten begrüßt. (Anmerkung: Somit ist die Aufarbeitung der Geschichte nicht nur ein deutsches Problem) Der größte Teil der Ausstellung widmet sich den Ereignissen nach dem Zweiten Weltkrieg, die dann zum Aufstand 1956 führten. Der Panzer im zentralen Hof ist ein schriller Auftakt, und die Außenmauer, an der Fotos der Opfer ausgestellt sind, sprechen für sich.

Noch verstörender sind die rekonstruierten Gefängniszellen (“Turnhalle” genannt) und die abschließende Täter-Galerie, die Fotos von Überläufern, Spionen, Folterknechten und deren Helfershelfern auf beiden Seiten zeigt. Viele der Personen, die diese Gräueltaten zuließen oder gar verursachten, sind noch heute am Leben. 

Da sieht man mal wieder die Parallelen…

Kodály körönd

Kodály körönd ist ein Platz in Budapest, an der Kreuzung der Andrássy Avenue und Felsőerdősor u, mit wunderschön bemalten alten Gebäude und Statuen von vier der ungarischen großen Helden in jeder Ecke.

Die Rasenflächen schmücken vier imposante Statuen von Persönlichkeiten, die sich im Kampf gegen die Türken ausgezeichnet haben. Nördlich dieses Platzes ändert die Andrássy utca ihr Gesicht: Nach den alten, mit Steinornamenten geschmückten und manchmal renovierungsbedürftigen Gebäuden beginnt nun ein vornehmes Villenviertel.

In dieser und den angrenzenden Straßen sind zahlreiche Botschaften untergebracht.

Heldenplatz und Millenniumsdenkmal

Der Heldenplatz (Hösök tere) ist das Vermächtnis einer glorreichen Zeit. Hier wurden 1896 die Millenniumsfeierlichkeiten eröffnet. Ein spektakuläres Zeugnis ungarischen Nationalstolzes ist das Millenniumsdenkmal. Seine Kolonnaden zieren Statuen berühmter ungarischer Führer und Politiker. Die Säule im Zentrum krönt der Erzengel Gabriel. Im angrenzenden Városliget (Stadtwäldchen) steht die Burg Vajdahunyad. Sie ist wohl das Pompöseste, das die Feiern hervorbrachten. Hier wurden die schönsten architektonischen Elemente aus ganz Ungarn vereint.

Millenniumsdenkmal – Das Denkmal beherrscht den Heldenplatz, die Figur im Kampfwagen, ein Symbol des Krieges, von György Gala ist ein Teil davon.

Das Millenniumsdenkmal eine 36 m hohe Säule mit je einer Kolonnade zur Rechten und Linken dominiert den weiten Platz. Auf der Säule steht eine Statue des Erzengels Gabriel mit ausgebreiteten Flügeln, als wolle er gleich gen Himmel aufsteigen. Wie eine der verschiedenen Legenden erzählt, hat Gabriel dem Magyarenfürsten Vajk – dem späteren König Stephan I. – in einem Traum die ungarische Krone angeboten. Auf dem Säulensockel stehen rund um die Säule die Reiterstatuen der sieben Stammesfürsten, die im späten 9. Jh. das Karpatenbecken erobert hatten. Ihre Namen, die heutzutage selbst viele Ungarn nicht mehr kennen, waren Árpád (der Anführer), Elöd, One, Kond, Tas, Cuba und Töhötöm (Tétény). Am Fuß des Sockels befindet sich das Heldendenkmal, ein Steinquader, mit der Inschrift, die übersetzt lautet: “Zum Gedenken der Helden, die ihr Leben für die Freiheit unseres Volkes und die nationale Unabhängigkeit geopfert haben.” Zwischen den Säulen den Kolonnaden stehen Statuen ungarischer Herrscher und Staatsmänner. Die allegorischen Skulpturen auf den vier Eckpfeilern symbolisieren (von links nach rechts) Arbeit und Wohlstand, Krieg, Frieden sowie Wissen und Ruhm.

Die Kunsthalle umfasst eine der größten Ausstellungsflächen der Stadt. Das Gebäude erinnert an einen griechischen Tempel. Der Schwerpunkt des Museums liegt heute in der modernen Bildenden Kunst. Im Laufe des Jahres finden 3 bis 4 Sonderausstellungen statt. Unabhängig von den hervorragenden Ausstellungen lohnt sich auch ein Besuch des ausgezeichneten Museumsladen. Gelegentlich werden in der Kunsthalle auch Konzerte veranstaltet. Den Eingang bildet ein Säulenportikus. Ein farbenfrohes Mosaik des hl. Stephan als Schutzpatron der Kunst wurde 1938 – 41 in den Tympanon eingefügt. Das dreiteilige Fresko von Lajos Deák Ébner stellt die Anfänge von Bildhauerei und Malerei sowie die Quelle der Kunst dar.

Gegenüber befindet sich das Museum der Schönen Künste. Der Museumsbau besitzt einen achtsäuligen Portikus, gekrönt von einem Tympanon. Kunsthistorisch gesehen, ist die Sammlung Alter Meister die vollständigste des Museums. Sie umfasst ungefähr 3000 Gemälde altniederländischer, flämischer, holländischer, spanischer, italienischer, deutscher, französischer und britischer Künstler des 13. bis 18. Jhs., darunter sieben bedeutende Gemälde des spanischen Malers El Greco. zu den berühmtesten Bildern zählt die Esterházy-Madonna von Raffael.

An den Heldenplatz schließt sich das Stadtwäldchen mit der Burg Vajdahunyad an. Der barocke Teil der Burg beherbergt das Landwirtschaftsmuseum.

Das Museum nimmt den spektakulären Barocktrakt der Burg Vajdahunyad ein. Die Burg wurde für die Jahrtausendfeier von 1896 auf der Insel im See des Stadtwäldchens errichtet. Als Vorbild dienten eine Festung in Siebenbürgen, der man allerdings etliche Elemente hinzufügte, wie z.b. gotische, romanische barocke Gebäudeteile. Diese etwas abwegig anmutende Architektur beruht auf dem Konzept der damaligen Bauherren. Die Burg soll alle wichtigen in Ungarn vertretenen Architekturstile widerspiegeln.

Auf einer Fläche von insgesamt 5200 m² zeigt das Museum in informativen Ausstellungen Europas größte Sammlung landwirtschaftlicher Objekte. Zu den Themenbereichen zählen u.a. Obst-, Wein- und Getreideanbau, Wollgewinnung sowie Geflügel- und Schweinezucht.

Daneben wird das Jagen und Fischen mit umfangreichen Exponaten belegt. Die teilweise etwas angestaubten präparierten Tiere zeigen jedoch den Museumscharakter der 60er und 70er Jahre. Heute vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß. Während meines Besuches hielten sich zwei Schulklassen im Museum auf, den Kleinen hat es aber allen Anschein nach gefallen. Wolf, Bär usw. wurden ausführlich mit dem Smartphone fotografiert, mal sehen wie lange die Bilder im Speicher bleiben…

Neben der Eintrittskarte kann man ein Ticket für die Turmbesteigung erwerben. Die Führung findet zu jeder vollen Stunde statt. 

Kapelle von Ják – Das Portal der Kapelle ist detailgetreu dem der Benediktinerkapelle von Ják (1214), nahe der österreichischen Grenze, nachgebildet. Die kleine Kapelle mit dem Kreuzgang steht vor der Nordseite der Burg Vajdahunyad.

Die Skulptur mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze gegenüber der Burg stellt Anonymus dar. Das Denkmal ehrt den namentlich nicht bekannten Chronikschreiber, der am Hof von Béla III. die erste Geschichte der frühen Magyaren verfasste. Eine Berührung des glänzenden Stiftes in der rechten Hand der sitzenden Figur bringt angeblich Schriftstellern (auch den angehenden) Glück und Inspiration.

Széchenyi-Bad

Die heißen Quellen der größten Kurbadanlage Europas sollen beträchtliche Heilkraft besitzen. Sie wurden 1879 entdeckt und sprudeln aus 970 Meter Tiefe empor.

Eine Architektur im Zuckerbäckerstil kennzeichnet das Széchenyi-Bad, das kurz vor dem Ersten Weltkrieg im Stadtwäldchen entstand. Seine Thermalquelle wurde Ende des 19. Jhs. bei einer Brunnenbohrung entdeckt. Ihr Wasser tritt mit einer Temperatur von 76 °C an der Erdoberfläche aus – und damit ist sie die heißeste Quelle der Stadt. Mit seinem riesigen Gebäudekomplex, den 15 Innen- und drei Außenbecken ist das Széchenyi-Bad das größte Thermalheilbad in Europa. Sein helles und sauberes Ambiente und die warmen Wassertemperaturen (bis zu 38 ºC), die stets korrekt an den Wandtafeln angegeben sind, laden zum ungetrübten Badevergnügen ein.

Frauen und Männer haben gleichzeitig Zutritt zu allen Bereichen des Bades, deshalb muss jeder Badebekleidung tragen. Badeanzug bzw. -hose kann man vor Ort leihen (1100 Ft. = ca. 3,57 EUR). Die Benutzung der drei Thermalbecken im Freien ist im Eintrittspreis inbegriffen. Dank der Wärme des Thermalwassers sind sie ganzjährig geöffnet. In den Außenbecken können Besucher auf großen schwimmenden Schachbrettern dem königlichen Spiel frönen. Im Winter, wenn Schnee die Bäume des Stadtwäldchens bedeckt, sind die badenden Schachspieler ein witziger Anblick. Das Thermalwasser ist reich an Kalzium, Magnesium und Hydrogenkarbonat. Ihm wird eine therapeutische Wirkung u.a. bei Gelenkschmerzen, Arthritis und Kreislaufstörungen zugeschrieben. 

Die Badesachen hatte ich ja eingepackt, allerdings war es mir an dem Tag dann doch zu heiß. Obwohl viele Budapester und bestimmt auch Touristen an dem Tag davon reichlich Gebrauch gemacht haben. Vielleicht ein anderes Mal.

Zurück ging es dann wieder mit der Metro Linie 1 Richtung Stadtmitte zur Besichtigung des Parlaments. Die Millennium-Linie zeichnet sich durch sehr schöne Metro-Stationen aus.

Parlament

Das ungarische Parlament (Országház), der größte Bau des Landes, ist zu einem Symbol Budapests geworden. Es ist 268 Meter lang, 96 Meter hoch und hat 691 Räume. Die Lage war nicht ohne Bedacht gewählt worden, denn das Parlament sollte schon optisch ein Gegenstück zum Königspalast auf dem Budaer Burgberg darstellen.

Das Parlament wurde von Imre Steint 1885 entworfen und nur wenige Wochen vor seinem Tod 1902 fertiggestellt. Diese Bauwerk soll vom 1860 eröffneten Parlamentsgebäude von Westminster inspiriert worden sein. Zu bewundern ist eine Vielzahl an architektonischen Stilen, darunter neogotische, neoromanische und neobarocke Elemente. Skulpturen an der westlichen Flussfassade stellen die Großen der ungarischen Geschichte dar, von Königen und Prinzen bis zu anderen historischen Persönlichkeiten. Der Haupteingang, das Löwentor, befindet sich am renovierten Koset Lajos tér. Leider gab man für die Baumaterialien nicht annähernd so viel Geld aus wie für das Design. Die verzierte Außenfassade wurde aus porösem Kalkstein erschaffen, die sich als sehr anfällig für Luftverschmutzung erwies. Weil das Gebäude derart verschachtelt und verziert ist, befindet sich die Fassade in einem ständigen Renovierungsprozess.

Haupteingang am Kossuth Lajos tér
Nahezu sämtliche Ecken des Gebäudes schmücken Giebel mit Fialen, die auf neogotische Skulpturen ruhen.

Im Inneren des Parlament befinden sich knapp 700 luxuriös ausgestaltete Räume, von denen man auf der Führung nur eine Handvoll im Nordflügel zu sehen bekommt. Am Vortag war keine Führung in deutscher Sprache mehr zu bekommen, so dass ich den Nachmittag des 2. Tages dafür eingeplant hatte. Beginn der Führung war um 17:15 Uhr, einfinden sollte man sich schon um 16:45 Uhr. Also noch mal eine halbe Stunde warten. Durch die Sicherheitskontrolle – ähnlich wie auf dem Flughafen – ging es dann zur Ausgabe der Kopfhörer, so konnte man die Erläuterungen sehr gut verstehen.

Durch das Löwentor geht es die 96 Stufen der Prunktreppe hinauf, die durch Fresken von Károly Lutz und Buntglasfenster von Miksa Róth in Szene gesetzt werden. Die Treppe führt hinauf zum 16-eckigen und 66 m hohen Kuppelsaal, wo die kostbare Stephanskrone aufbewahrt wird, die als wichtigstes Nationalsymbol gilt. Auch das zeremonielle Schwert aus dem 15. Jh., der Reichsapfel (1301) sowie das älteste Objekt der Krönungsinsignien ist hier zu sehen: das im 10. Jh. in Persien  gefertigte Zepter mit einem großen Kristallkopf, der einen Löwen zeigt.

Durch das Löwentor und über die Prunktreppe werden die Besucher im Rahmen der Führung nicht geführt, dies bleibt wohl nur hochrangigen Staatsgästen vorbehalten. Die Besucher werden über Seitentreppenhäuser, nicht nicht weniger elegant sind in Richtung Prunktreppe geführt.

Die besten Künstler jener Zeit wirkten bei der Gestaltung des Interieurs mit.

Bis zur Haupttreppe kann man noch selber fotografieren, auch wenn es im Rahmen einer Führung manchmal schwierig ist, bleibt doch nicht immer ausreichend Zeit, da die Gruppe zusammenbleiben muss und die nächste Führung einem schon im Nacken sitzt. 

Der Kuppelsaal, mit seinen Massiven Pfeilern, die die zentrale Kuppel des Parlaments stützen, zieren Figuren ungarischer Herrscher. Die Decke der 96 Meter hohen Kuppel ist ein neogotisches Kunstwerk par excellence. Sie zeigt Wappendekor mit Vergoldungen. Das fotografieren im Kuppelsaal ist verboten und wird streng von den anwesenden Uniformierten überwacht. So bleibt es leider nur bei einem Scan von Postkarten.

Die Ehrenwachen werden zwischen 9 und 19 Uhr stündlich abgelöst.

Stephanskrone – Die zweiteilige Krone mit dem schiefen Kreuz sowie Anhängern und Miniaturen mit den Aposteln stammt aus dem 12. Jh. Sie wurde zum Symbol der ungarischen Nation. Im Laufe der Jahrhunderte ist die Krone mehrfach aus unterschiedlichen Gründen verschwunden. Im 17. Jh. wurde sie in einem Fragebehältnis beschädigt und erhielt so ihr jetziges Aussehen. 1945 flüchteten ungarische Faschisten mit der Krone vor der Roten Armee nach Österreich. Dort fiel sie schließlich in die Hände der US-Armee, die sie nach Kentucky ins Fort Knox brachte. Im Januar 1978 wurde sie den erleichterten Ungarn wieder zurückgegeben.

Die weitere Führung ging dann durch die Lobby in Richtung Kongresssaal. Fotografieren war nun wieder erlaubt. Der riesige Kongresssaal des früheren Oberhauses ist nahezu ein Spiegelbild des Sitzungssaales. Beide Säle sind hufeisenförmig angelegt und von einer Zuhöhrergalerie umgeben. Heute finden hier internationale Konferenzen statt. Ungarns Verfassung sieht ein parlamentarisches Regierungssystem vor. das Ein-Kammer-Parlament tagt im Nationalen Versammlungssaal im Südflügel und kann nicht besichtigt werden.

 

Im Sitzungssaal war das Rauchen nicht erlaubt, so blieb nur während der Sitzungspausen Zeit für eine Havanna. Reichte die Zeit nicht, konnte man seine Havanna in dem nummerierten Zigarrenhalter ablegen.

Die Führung dauert ca. 45 Minuten und endet im Kellergeschoss, wo sich eine kleine Ausstellung befindet. Hier ist auch der “alte” Sowjetstern zu sehen.

Fazit: Der Besuch des Parlaments lohnt sich auf jeden Fall und sollte bei keinem Budapestbesuch fehlen. Am frühen Abend ging’s dann noch zu einem Abstecher in Buda’s Altstadt.

Altstadt – Budas Altstadt ist ein Spiegel der Geschichte. Ab dem 13. Jahrhundert breitete sich Buda nördlich des Königspalastes aus. Unter König Sigismund blühte die Stadt auf. Deutsche Kaufleute belieferten von ihren Läden in der Herrengasse den Hof. Später zerstörten die Türken das Viertel, danach deren Bezwinger, die christlichen Armeen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Buda wiederaufgebaut, doch in den Gassen kann man noch Relikte vergangener Zeiten entdecken.

Dreifaltigkeitsplatz – 1713, nachdem eine Pestepedemie in der Stadt gewütet hatte, errichtete am auf diesem Platz eine Säule, die die heilige Dreifaltigkeit darstellt.

Matthiaskirche – Obwohl einige Teile der Kirche älteren Datums sind, ist der Großteil neogotische Rekonstruktion aus den Jahren 1874 – 96.

Fischerbastei – Das von Frigyes Schulek 1895 errichtete Bauwerk diente trotz seines Namens nie zur Verteidigung. Es wird als Aussichtsterrasse genutzt. Die konischen Türme sind eine Reminiszenz als die Zelte der frühen Margyarenstämme.

Die Statue des hl. Stephan – (István bzw. Stephan I.), des ersten Königs von Ungarn, wurde 1906 errichtet. Den Sockel umläuft ein Flachrelief mit Szenen aus dem Leben des Herrschers und Heiligen.

Der Name der Bastei stammt von der mittelalterlichen Fischergilde, die einst für die Verteidigung dieses Stücks der Burgmauer verantwortlich zeichnete. Von hier bietet sich so ziemlich der beste Blick auf Budapest. Wer sich den Eintritt für die Terrassen sparen möchte und dennoch einen schönen Panoramablick genießen möchte: Am linken Ende ist ein Café/Bar gegenüber dem Hotelneubau, von dort bietet sich der gleiche Anblick.

Felsenkrankenhaus – Das Labyrinth unter dem Burgberg schützte im Zweiten Weltkrieg Tausende von Menschen. 1944/45 gab es hier auch ein Hospital. Nach dem Krieg wurde die Anlage als geheimes Krankenhaus und Atombunker weiterbetrieben. In den 1960er Jahren wurde alles modernisiert, bis 2004 dienten die Räume als Phantomkrankenhaus für den Super-GAU. Heute kann man die OP-Räume mit Wachspuppen als Personal besichtigen.

Damit ging dann auch der zweite Tag in Budapest zu Ende. Wieder viel gelaufen, gefahren und eine Menge gesehen. Aber irgendwann ist man(n) einfach kaputt und will nur noch die Füße hochlegen, also ab ins Hotel. Morgen ist auch noch ein Tag: der dritte und letzte Tag. 

Wie immer ist auch ein kurzer Abstecher ins Umland geplant: Aquincum, die Überreste der Römerstadt und ein Abstecher auf die Margareteninsel. Letzte Einkäufe bei Starbuck und im Hard Rock Café bevor es dann gegen 20 Uhr wieder nach Deutschland geht.


Meine Informationen und Reisevorbereitungen habe ich folgenden Reiseführern entnommen, die auch uneingeschränkt weiterempfehlen kann:

   

“lonely planet – Budapest” von Lonely Planet Publications

“Vis-à-Vis Budapest” aus dem Hause Darling Kindersley 

 

 

 

Veröffentlicht in Budapest 2017

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