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Flämische Beginenhöfe

Diese Welterbestätte umfasst 13 Einrichtungen in Flandern, in die sich seit dem 13. Jahrhundert ledige Frauen zurückzogen, um ein der Religion und Mystik gewidmetes Leben zu führen.

Im ausgehenden 12 und frühen 13. Jahrhundert formierte sich in vielen Städten Nordeuropas die Bewegung der Beginn: Ledige junge Frauen, die ein religiöses Leben führen wollten, ohne einem der anerkannten und meist überfüllten Konvente beitreten zu müssen, gründeten “Beginagen” – halbklösterliche Gemeinschaften, die aus of um einen begrünten Innenhof angeordneten Einzel- oder Reihenhäusern bestanden, zu denen auch eine Kirche und Wirtschaftsgebäude gehörten. Eine Mauer bot Schutz vor der Außenwelt und machte die Beginagen zu Kleindörfern innerhalb der Stadt. Das Leben dort unterlag lange Zeit keiner strengen klösterlichen Disziplin: Die Frauen mussten bei ihrem Eintritt in die Gemeinschaft zwar Keuschheit und Gehorsam loben, konnten aber jederzeit in ein säkulares Leben zurückkehren. Das ging der Kirche zu weit, sodass die Bewegung zeitweise verboten wurde. Durch die Herstellung von Tuch und Spitzen wirtschaftlich unabhängig, widmeten sich viele Beginagen sozialen Belangen wie der Altenpflege. (1)


(1) Bildband: Das Erbe der Welt.Die Kultur- und Naturmonumente der Erde nach der Konvention der UNESCO.aktualisierte Auflage.München: Kunth Verlag, 2016. 

Einer der schönsten flämischen Beginenhöfe ist die bereits im Jahr 1245 gegründete Anlage in Brügge.

Da es heutzutage keine Beginen mehr gibt, werden die Wohnhöfe auch von älteren Leuten, Künstlern und Studenten bewohnt. Die kleinen Häuser sind dazu in der Regel restauriert und renoviert worden. Der Beginenhof in Brügge dient heute einer Gemeinschaft von Benediktinerinnen als Kloster.

Die meisten Beginenhöfe befinden sich in Belgien und sind wegen ihres Alters, der Ruhe und der schlichten harmonischen Architektur malerisch und sehenswürdig. Von ehemals 80 Anlagen sind noch rund 30 erhalten. In den Niederlanden sind noch zwei Anlagen in Amsterdam und Breda erhalten. Der ab 1346 entstandene Beginenhof in Amsterdam umfasst 47 um einen Innenhof gruppierte Wohnhäuser, die überwiegend aus dem 18. Jahrhundert stammen. Es handelt sich um einen Neuaufbau nach einem Brand, den nur ein Haus von 1470 überstand, eines der ältesten Holzhäuser der Niederlande. Bis 1971 wurde der Beginenhof in Amsterdam von Beginen bewohnt. In Frankreich gibt es keine Höfe mehr. In Deutschland ist der Beginenhof in Essen bekannt.

Am 14. April 2013 verstarb mit der Belgierin Marcella Pattyn im westbelgischen Kortrijk die letzte Begine und beendete damit eine 800 Jahre alte Tradition frommer Frauen, die in ganz Europa zwischen den Welten von Ordensleben und Laientum gelebt haben.

 

Von 26 noch erhaltenen flämischen Beginenhöfen hat die UNESCO die Anlagen in folgenden Städten in ihre Liste „Weltkulturerbe“ aufgenommen:

Veröffentlicht in Belgien UNESCO-Weltkulturerbe

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