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Altstadt von Brügge

Ein noch vollständig erhaltenes gotisches Bauensemble in ihrem Zentrum kündet von der reichen Vergangenheit der alten Handelsstadt Brügge. 

Der ertragreiche Tuchhandel zwischen England und dem Kontinent lief im Mittelalter über Brügge. Kaufleute aus 17 Ländern besaßen hier Faktoreien. Mit Jan van Eyck und Hans Memling wurde Brügge  dank einer großzügigen Patronage zur Kunst- und Kulturstadt von höchstem Rang. Den üppigsten Glanz entfaltete sie, als im 15. Jahrhundert die Bannerträger der spätgotischen Hofkultur, die Herzöge von Burgund, in ihren Mauern residierten. Bald danach zog sich der internationale Handel zurück, da der Fluss Zwin versandete und der Zugang zum Meer versperrt wurde. Der Ovalgrundriss der Stadt wird von zahlreichen Kanälen und langen Straßenzügen mit Reihen von giebelständigen Häusern erschlossen. Die Domizile der Patrizier, die Kontore der Handelsherren oder das reich geschmückte Rathaus, in dem die Grafen von Flandern der Kommune die Freiheitsrechte zu bestätigen hatten, berichten vom einstigen Glanz und der Macht der Stadt. Deren stolzestes Symbol stellt der imponierend aufragende Belfried der Tuchhalle dar. Groß angelegte Bauten zeugen zugleich von der sozialen Verantwortung der Stadtgemeinschaft – etwa das Johannes-Spital, das heute ein Museum beherbergt. (1)


(1) Bildband: Das Erbe der Welt.Die Kultur- und Naturmonumente der Erde nach der Konvention der UNESCO.aktualisierte Auflage.München: Kunth Verlag, 2016. 

Brügge (niederländisch Brugge, französisch Bruges) ist die Hauptstadt und mit 118.053 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) die größte Stadt der Provinz Westflandern in Belgien. Außerdem ist Brügge Bischofssitz der katholischen Kirche für das Bistum Brügge.

Im Spätmittelalter war die niederländische Region um Brügge eines der Zentren der Textilindustrie und des Fernhandels in Europa und damit eine der Geburtsstätten des Frühkapitalismus. In der Stadt residierten zeitweise die Herzöge von Burgund, unter deren Herrschaft Brügge zu einer der wirtschaftlich und kulturell reichsten Städte im damaligen Europa wurde.

Die Altstadt ist von Wallanlagen, auf denen Windmühlen stehen, und Kanälen umgeben. Da Brügge nie durch Kriege oder großflächige Brände zerstört wurde, sind mittelalterliches Stadtbild und historische Gebäude sehr gut erhalten. Die Stadt ist sowohl zu Fuß als auch per Bootstour erkundbar. Die Kanäle, die die Stadt durchziehen, nennen die Einheimischen Reien nach dem im Mittelalter vollständig kanalisierten Flüsschen Reie, über das Brügge direkt mit der Nordsee verbunden war.

Der mittelalterliche Stadtkern wurde im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Im Jahr 2002 war Brügge Europäische Kulturhauptstadt.

Brügge beherbergt das renommierte Europakolleg (College of Europe) und verfügt über einen wichtigen Seehafen im Teilort Seebrügge.

Im Rahmen einer Tagesfahrt per Bus habe ich Brügge am Karfreitag besucht. In Deutschland sind an den Osterfeiertagen alle Geschäfte geschlossen, anders in Brügge. Auch wenn ich nicht unbedingt zum Einkaufen nach Brügge wollte, war ich doch angenehm überrascht. Alle Geschäfte geöffnet und so war es auch dementsprechend voll in der Stadt.

Die Fahrt begann morgens um 06:15 Uhr, unterwegs wurden noch an diversen Haltepunkten die restlichen Teilnehmer aufgesammelt und mit einem vollem Bus (48 Teilnehmer) ging es dann auf die Autobahn über Eindhoven, Antwerpen, Gent nach Brüssel. Die Fahrt zieht sich doch, so dass wir erst gegen 11:30 Uhr am Busplatz angekommen sind. Anschließend ging es zum Bootsanleger für die Grachtenfahrt, die im Reisepreis von 38 EUR enthalten war. Es konnte jeder entscheiden, wann er die Tour machen wollte, die Karten behielten ihre Gültigkeit den ganzen Tag. War für mich angenehm, da das Wetter nicht unbedingt zu einer Bootsfahrt einlud. Ca. 10° C und wolkenverhangener Himmel, aber es war wenigstens trocken!

Brügge_Stadtplan

So machte ich mich dann gleich auf, die Innenstadt zu erkunden. Schließlich wollte ich den Belfried und die Beginenhöfe sehen. Treffpunkt für die Rückfahrt war um 16:30 Uhr, also blieben mir 5 Stunden, hört sich erstmal viel an, wurde am Ende aber doch knapp.

Die Innenstadt füllte sich immer mehr mit Menschen, mehrere Busunternehmen und Kreuzfahrtschiffe starteten ihre Unternehmungen. Mein erstes Ziel war der Grote Markt mit dem Rathaus und Belfried.

Einen ausführlichen Bericht über die Besteigung des Belfried findet ihr in dem Beitrag “Glockentürme in Belgien und Frankreich”. Über 1 Stunde anstehen und schon waren 20% der Zeit futsch. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Danach ging es ein wenig ziellos durch die Stadt, ich habe mich einfach mal treiben lassen und die Blicke mal links und rechts schweifen lassen. Brügge ist ja auch bekannt für die Schokolade bekannt. “Kinderschokolade” und “Ritter-Sport” sucht man hier vergeblich, aber die vermisst man bei dem Angebot auch gar nicht. Obwohl die Preise schon recht heftig sind. 

Deutsche Biertrinker werden vielleicht jetzt die Nase rümpfen, aber die belgischen Biersorten übertreffen das heimische Angebot doch um ein Vielfaches. Bei mehr Zeit hätte ich bestimmt das eine oder andere mal probiert.

Ein paar Stunden sind einfach zu wenig um alles zu sehen, deshalb wird es wohl nicht mein letzter Besuch in Brügge gewesen sein. Es gibt noch soviel zu entdecken:

  • Grote Markt – Der zentrale große Markt Brügges war im Mittelalter noch mit dem Schiff erreichbar. An der Ostseite des Marktes konnten Stoffe in der „Waterhalle“ genannten großen Tuchhalle im Trockenen gelagert und gehandelt werden. Die Waterhalle wurde ab 1294 erbaut und 1787 abgerissen. Heute befinden sich dort der Provinciaal Hof, die Post und das Gebäude der nie als solche genutzten Gouverneursresidenz.
  • Brügger Belfried – Der Belfried ist 83 m hoch und in die Hallen am zentralen Marktplatz von Brügge (Grote Markt)integriert. Er wurde ebenso wie diese im 13. Jahrhundert erbaut. Im Spätmittelalter demonstrierte der alle Bauwerke der Stadt überragende Turm die Macht des selbstbewussten reichen Bürgertums und diente als Brandwache.  Noch heute darf ihn kein Neubau überragen.
  • Provinciaal Hof – Das Gebäude wurde im Stil der Neogotik erbaut, nachdem der klassizistische Vorgängerbau am 20. Februar 1878 abgebrannt war. Der Provinciaal Hof ist Regierungssitz der Provinz Westflandern. Früher stand dort die 1787 abgerissene „Waterhalle“.

 

Grote Markt
Belfried

 

 
  • Heilig-Blut-Basilika ist das älteste Gebäude am architektonisch bedeutendsten Platz von Brügge, der in unmittelbarer Nähe des Marktes gelegenen Burg. Die Doppelkirche besteht aus der St.-Blasius-Kapelle als Unterkirche und einer Oberkirche. Der Sakralbau ist Aufbewahrungsort einer der bedeutendsten Reliquien Europas – einer Ampulle mit dem Blut Christi.
  • Rathaus
  • Rozenhoedkaai
  • De Halve Maan – Die älteste Stadtbrauerei Brügges gibt es seit 1546. Die Brauerei wird seit 1856 als Familienbetrieb, heute in sechster Generation geführt. Die Bierspezialitäten des Brauhauses sind das Brugse Zot und der Straffe Hendrik. Die Brauerei und das angeschlossene Biermuseum können besichtigt werden.
Rozenhoedkaai

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

De Halve Maan
  • Minnewater
  • St.-Salvator-Kathedrale
  • Liebfrauenkirche mit der Brügger Madonna von Michelangelo
  • Beginenhof

 

Minnewater
Kathedrale St. Salvator
Eingang zum Beginenhof
  • Stadttore: GentpoortKruispoortSmedenpoort und Ezelpoort
  • Brügger Reien – Brügges Kanäle wurden nach dem Fluss Reie benannt, der früher die Stadt durchfloss. Dessen Name wurde vom keltischen Wort Rogia für Heiliges Wasser abgeleitet; die Kelten sahen Flüsse und Brunnen als göttliche Wesen an. Wegen der vielen Kanäle und Bogenbrücken wird Brügge auch Venedig des Nordens genannt.
  • Altes Sankt-Jans-Hospital (Oud Sint-Janshospitaal) – Das frühere Hospital wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gegründet. Seit 1188 wurden hier Pilger, Reisende und Kranke von Nonnen versorgt. Im Sankt-Jans befindet sich neben dem Hospitalmuseum auch das Memlingmuseum (Memling in Sint-Jan).
  • Windmühlen am Kruispoort – Im Mittelalter war Brügge faktisch eine Festung umgeben von Wällen und Wassergräben. Die Stadt war nur durch befestigte Stadttore zugänglich. Auf einem der Wälle stehen nahe dem Stadttor Kruispoort noch heute vier von einst 20 Windmühlen. Zwei dieser Windmühlen sind noch voll funktionsfähig.
  • Gruuthusemuseum

  

Altes Sankt-Jans-Hospital

Es gibt soviel zu entdecken, mal Trubel und dann auch wieder ruhige Ecken. 

 

Zum Abschluss noch schnell zu Starbucks, die obligatorische Tasse für die Sammlung kaufen und ein Fazit: Ein schöner, aber auch anstrengender Tag! Das Wetter wurde im Laufe des Tages immer besser, leider fehlte zum Schluss die Zeit für die Grachtenfahrt, aber die werde ich dann beim nächsten Besuch nachholen.

 

 

 

Nachfolgend die Galerie mit weiteren Bildern aus Brügge:

Weitere Informationen findet Ihr unter: https://www.visitbruges.be/entdecken

Veröffentlicht in Belgien UNESCO-Weltkulturerbe

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