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Dom zu Aachen

Der Aachener Dom, ein bedeutendes Denkmal karolingischer Baukunst, ist zugleich ein Symbolort deutscher Geschichte par excellence. in den Jahren 936 bis 1531 ließen sich hier 31 deutsche Könige krönen. Den Grundstein für den Dom legte Kaiser Karl der Große mit dem Bau der Pfalzkapelle.  

Die um das Jahr 800 geweihte Pfalzkapelle wurde nach Plänen von Odo von Metz auf oktogonalem Grundriss erbaut. Unter der später mit Mosaiken versehenen Kuppel zieht sich ein zweigeschossiger Umgang um den Innenraum. Die Ausgestaltung des Doms orientierte sich an römischen  ebenso wie an byzantinischen Vorbildern und ist Ausdruck des umfassenden Machtanspruchs Kaiser Karls des Großen. In den folgenden Jahrhunderten wurden mehrere An- und Umbauten nötig, um Platz für die Krönungszeremonien wie für die Pilger zu schaffen, die zum Grab Karls des Großen drängten. Beeindruckend sind besonders die Monumentalfenster des 15. Jahrhunderts eingeweihten gotischen Hallenchors. In der Mitte des Chorraums steht der von 1200 bis 1215 entstandene kostbare Karlsschrein. Die Kapelle selbst hat 1200 Jahre lang ihr Gesicht im Wesentlichen bewahren können. Der Aachener Domschatz birgt das wertvollste Reliquiar nördlich der Alpen. (1)

 


(1) Bildband: Das Erbe der Welt.Die Kultur- und Naturmonumente der Erde nach der Konvention der UNESCO.aktualisierte Auflage.München: Kunth Verlag, 2016. 

Im Domhof

In seinen Maßen entspricht der heutige Domhof ungefähr dem karolingischen Atrium. Die originale Bau- substanz des karolingischen Westbaus der Kirche reicht bis zum Gurtgesims über der großen Rundbogennische; die große gotische Fensteröffnung wurde zuletzt 1954 verglast (Entwurf Ewald Mataré). 1879-84 errichtete man auf den beiden verbliebenen Geschossen des Westbaus einen neogotischen Turmaufsatz (Entwurf Hugo Schneider); dessen Galerien dienten bis 1965 der Zeigung der “Vier großen Heiligtümer” bei den Heiligtumsfahrten, ebenso die Verbindungsbrücke zum Oktogon.

Der Portalvorbau von 1788 hat die bronzenen Türflügel des karolingischen Hauptportals aufgenommen. Ihre Außenflächen sind auf schlichte, aber dennoch monumentale Weise durch die Unterteilung in (je acht!) antikisierende Kassetten ornamentiert. Zusammen mit den übrigen karolingischen Bronzen in Aachen – drei weiteren, kleineren Türflügelpaaren und den acht großen Brüstungsgittern auf der Empore – gehören die Flügel des Hauptportals zu den bedeu- tendsten Zeugnissen künstlerischer Antikenrezeption in karolingischer Zeit. Zugleich sind diese großformatigen Güsse, die sämtlich in einem Stück (außer den aufgenieteten Türziehern) im Wachs- ausschmelzverfahren hergestellt sind, Denkmäler der bewunderns- werten technischen Kompetenz einer um 800 in Aachen tätigen Werkstatt.

 

 

1. Hauptportal des Aachener Doms, karolingische Portaltür aus Bronze (800). Als sog. “Wolfstür” ist sie mit der Dombausage verbunden. (Teufelsdaumen im rechten Löwenmaul).

 

2. Pinienzapfen, um 1000, Bronze, Bekrönung des ehemaligen Brunnens im Atrium (Domhof), auf dem Sockel Reste von Figuren (Paradiesflüsse).

3. Die sog. Wölfin, römische Bärin des 2. Jh. n. Chr. Neue Forschungen datieren die Figur als Teil einer Jagdszene in das hellenistische Zeitalter.

4. Muttergottes mit Kind (vor 1400), Alabaster, lothringisch. Das Glasmosaik der Nische besteht vermutlich aus Mosaiksteinchen des mittelalterlichen Kuppelmosaiks. Darunter: Erinnerungstafel für den 1376 hier bestatteten Aachener Bürgermeister Gerhard Chorus.

 

5. Karolingischer Zentralbau (Oktogon) Karl des Großen (um 800). Erster nachantiker Kuppelbau nördlich der Alpen. Das Obergeschoss schmücken antike Säulen und karolingische Bronzegitter. Die Lichterkrone, sog. Barbarossaleuchter (um 1165) ein Symbol des “Himmlischen Jerusalems”, ist ein Geschenk Kaiser Friedrich I. Barbarossa und seiner Gemahlin Beatrix.

6. Gnadenbild “Unsere Lieben Frau von Aachen”, im Kern aus dem 14. Jh. – Weihgaben aus alter und neuer Zeit, Kronen und fast 40 Gewänder bilden einen solchen Schmuck.

 

7. Den Hauptaltar des Domes schmückt eine goldene Altartafel (Pala d’Oro), um 1020, mit der Leidensgeschichte Jesu. In der Mitte zwischen Maria und dem Erzengel Michael Christus als Weltenherrscher, umgeben von den 4 Evangelistensymbolen.

 

8. Der goldene Ambo, die sog. Kanzel Kaiser Heinrich II. (vor 1014), ist geschmückt mit antiken Schalen, Elfenbeinschnitzereien, Schachfiguren und Evangelistenreliefs. Der Ambo ist 1414 – nach Fertigstellung der Chorhalle – aus dem Oktogon an die heutige Stelle versetzt worden.

 

9. Der Marienschrein (1220 – 1239) enthält die vier “großen Aachener Heiligtümer”. dabei handelt es sich um ein Kleid Marias, Windeln Jesu, das Enthauptungstuch Johannes des Täufers und das Lendentuch Christi. Sie werden alle sieben Jahre dem Schrein entnommen und gezeigt. Der Schrein ist geschmückt mit den Figuren von Christus, Maria, Karl dem Großen, Papst Leo III. und den zwölf Aposteln.

10. Adlerpult (15. Jh.), Messing, Notenpult für die Chorsänger.

 

11. Gedenkplatte für Kaiser (Otto III. (1834), der im karolingischen Kirchenbau im Jahre 1002 bestattet wurde. Das Grab (Sarkophag) wurde 1414 – nach Vollendung der Chorhalle – an diese Stelle übertragen.

 

12. Strahlenkranzmadonna, Schnitzwerk von Jan van Stevensweert (1524). Die doppelseitige Madonna mit Kind ist mit einem Strahlen- und Wolkenkranz (spätere Zutat) umgeben.

13. Karlsschrein (1182/1215), Meisterwerk maasländischer Goldschmiedekunst. Seit 1215 birgt der Schrein die sterblichen Überreste Karls des Großen (†814). Die Gebeine des 1165 heiliggesprochenen Kaisers umstehen 16 seiner Nachfolger. Karl selbst thront an der Stirnseite unter dem segnenden Christus, flankiert von Papst Leo III. und Erzbischof Turpin von Reims.

14. (Empore) Der Thron Karls des Großen im Obergeschoss (Hochmünster) des Doms ist ein schlichter Marmorsessel aus antikem wiederverwendetem Material. Fast 600 Jahre lang, zwischen 936 und 1531, wurden hier – nach der Salbung und Krönung am Hauptaltar – die Könige inthronisiert.

Wichtig: Die Besichtigung des Obergeschosses ist nur im Rahmen einer Führung möglich!

 

I. Karolingischer Zentralbau (Oktogon) der Marienkirche Karls des Großen (um 800). Erster kuppelüberwölbter Bau aus nachantiker Zeit nördlich der Alpen. Antike Säulen und die 8 noch erhaltenen karolingischen Bronzegitter schmücken den Raum.

II. Spätgotische Chorhalle (1355 – 1414). Das ca. 32 m hohe sog. “Glashaus von Aachen” mit 1.000 qm Glasfläche. Einzigartiger Apostelzyklus auf Konsolen mit musizierenden Engeln. Wandmalereien an den Wänden der Chorhalle aus versch. Jahrhunderten. Die Verglasung wurde 1949 – 51 von W. Benner und A. Wendling neu gestaltet.

III. Ungarische Kapelle. Kapelle der ungarischen Pilger, Stiftung König Ludwigs I. von Ungarn und Polen, Weihinschrift 1367, heutige barocke Kapelle aus dem Jahre 1767. Standbilder der ung. Nationalheiligen. Sakramentskapelle des Aachener Doms.

 

IV. Annakapelle, 1449 vollendet, zweigeschossig, eigentlicher Kapellenraum im Obergeschoss, unten ursprünglich offene Eingangshalle, 1772 geschlossen und als weitere Sakristei genutzt. (Nicht zugänglich!)

 

V. Matthiaskapelle (um 1400), gleichzeitig mit der gotischen Chorhalle gebaut, zweigeschossig, ehemaliger Archivraum, im unteren Teil Sakristei (Nicht zugänglich!)

 

VI. Hubertuskapelle (1455 – 1474), zweigeschossig, im Obergeschoss: Karlskapelle, (Nicht zugänglich!)   Die sog. Kremierter ist der ebenerdige Zugang für die Rollstuhlfahrer.

 

VII. Nikolauskapelle, (vor 1474), zweigeschossig, oben im Nordosten: Michaelskapelle, großes “Rosenkranzfenster” von W. Geyer, 1955; Taufbecken (um 1200)

VIII. Allerheiligenkapelle mit der Gruft der Aachener Bischöfe (1954/55 angelegt)

IX. Tauf- oder Johanneskapelle auf dem Domhof, 1214 erwähnt, 1766 grundlegend erneuert, Ausstellungsraum der Domschatzkammer.

 

Auf der Seite von Reality Zoom gibt eine beeindruckende 360° Aufnahme; das Projekt ist eine Auftragsarbeit für den Tourismus NRW e.V., veröffentlicht unter

http://www.nrw-tourismus.de/panoramen/aachen_1_5_0s/aachen.html

Anschauen lohnt sich auf jeden Fall!

 

Die Domschatzkammer

Die Schatzkammer des Aachener Doms ist eine der bedeutendsten kirchlichen Schatzkammern überhaupt. Seit 1979 ist sie im Bereich des Kreuzgangs unterge- bracht. Die Baugeschichte des Aachener Kreuzgangs ist komplex, über seine Anfänge ist nichts bekannt. Mit den zugehörigen Bauten bildete er das zweite, weitgehend nichtliturgische Zentrum des alten Marienstifts neben der Kirche als dem liturgischen Zentrum. Die Architek- tur des Kreuzgangs zeigt heute durchgehend gotische Formen aus verschiedenen Zeiten.

Die Objekte in der Schatzkammer sind nicht durch eine kunstinteressierte Sammeltätigkeit vereinigt worden; vielmehr handelt es sich um Teile der im Laufe von 1200 Jahren entstandenen Ausstattung von St. Marien. Die meisten Stücke stehen mit der Feier der Liturgie oder dem Reliquienkult in Verbindung.

Im Folgenden kann nur auf eine kleine Auswahl hingewiesen werden.

➔ Karolingische Schatzkunst. Kleinformatige Werke haben sich in Aachen kaum erhalten. Zum Bestand gehört zum Beispiel ein Diptychon aus Elfenbein, das als Buchdeckel verwendet wurde und vom Anfang des 9. Jh.s stammt. Die sechs Reliefs thematisieren die Auferstehung Christi.

 

➔ Ottonische Schatzkunst. Neben den beiden großformatigen Goldschmiedearbeiten im Dom bewahrt die Schatzkammer weitere herausragende Objekte auf, vor allem das Lotharkreuz (Holzkern, Gold, Filigran, Edelsteine, Perlen), ein Prozessions- kreuz, das um 980 entstanden ist. Die Schmuckseite zeigt in Gestalt des berühmten antiken Augustus-Kameo den im Himmel erhöhten Christus. Auf der schlichten Seite ist die Kreuzigung eingraviert.

➔ Gotische Goldschmiedekunst. Unter anderem drei kostbare, ganz verschieden gestaltete größere Behältnisse für Reliquien Karls des Großen.

Karlsbüste (Silber, teils vergoldet oder emailliert, Edelsteine, teils antike Gemmen und Kameen), um 1350. Krone vielleicht etwas älter und tatsächlich als Herrscherinsigne verwendet. Reliquiar für die Schädeldecke Karls.

Zahlreiche weitere gotische Reliquiare wie das Karlsreliquiar, das Armreliquiar, das sehr aufwendige Drei- turmreliquiar, ein Scheibenreliquiar oder die Reliquiare für die Kleinen Heiligtümer sind zu sehen. Auch andere Goldschmiedearbeiten wie etwa die kostbar gearbeitete Krone (samt originalem Futteral), die Margarete von York 1468 bei ihrer Hochzeit mit Karl dem Kühnen in Damme (Flandern) trug und später dem Aachener Gnadenbild schenkte.

➔ Kein Schatzstück im eigentlichen Sinne ist der berühmte Proserpina-Sarkophag (Marmor, 1. Viertel des 3. Jh.). Er war Bestandteil des für Karl den Großen errichteten Bogennischengrabs. In ihm ruhten die sterblichen Reste des großen Kaisers von 814 bis 1165.

Weitere Bilder finden sich im Hauptbeitrag über Aachen und der Rubrik “Städtereisen”.

 

 

Veröffentlicht in Deutschland UNESCO-Weltkulturerbe

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