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Jordanien – Tag 9 – 22. November 2016

Tag 9 – Sternenmeer der Wüste

Eine knapp 2-stündige Fahrt bringt uns an diesem Morgen zum Wadi Rum. Am Rande des Nationalparks steht das Desert Camp, das für heute Nacht unsere Bleibe sein wird: Feste Beduinenzelte, Gemeinschaftsduschen, einfache Betten stehen zur Verfügung. Lawrence von Arabien hätte sich hier bestimmt auch wohlgefühlt: Die Annehmlichkeiten der Zivilisation genießen, aber dennoch eine grandiose Wüstenatmosphäre erleben! Kommen Sie erst einmal an – Lust auf einen Pfefferminztee? Dann gehen wir auf Entdeckungstour: Am Nachmittag erleben wir auf einer ca. 4-stündigen Jeepsafari die herrliche Wüstenlandschaft des Wadi Rums – unendlich wirkende Sandflächen, dazwischen die wundervollen bizarren Felsformationen, eine fast schon unwirklich scheinende Schönheit! Am Abend sitzen wir wie die Beduinen zusammen und genießen deren Küche unter dem fantastischen Sternenmeer Jordaniens!
Fahrstrecke: 145 km | Übernachtung: Captain’s Desert Camp★★★ vor den Toren des Wadi Rum | Mahlzeiten: F, A

Hier weicht unser Programm ein wenig von der offiziellen Beschreibung. Auf dem Weg von Petra nach Wadi Rum besuchten wir noch das zweite “crusade castle” – Montreal (al-Schawbak) und die Jeepsafari finden dann am folgenden Tag statt.

Nachdem alle Koffer im Bus (jetzt eine Nummer größer) ging es pünktlich um 08:00 Uhr los. Karim wählte für die Fahrt eine etwas andere Route, damit für die Burg in ihrer vollen Pracht von unten fotografieren konnten. Er hatte aber auch bestimmt einen Hintergedanken! Auf der Fahrt dorthin kamen wir am “kleinsten Hotel der Welt” vorbei. Dieses wird von Abu Ali betrieben und besteht aus einem ausrangierten VW Käfer. Wir wurden sofort freundlich aufgenommen, eingeladen alles zu besichtigen und einen Tee mit ihm zu trinken. Das ganze Zimmer zeugt von den Besuchen aus aller Welt – hatte leider meine Visitenkarte nicht mit, sonst wäre diese jetzt bestimmt auch dort verewigt.

 

Die Ruinen der Höhenburg liegen auf einem kegelförmigen Berg über der Ebene von Edom an der Pilger- und Karawanenstraße von Syrien nach Arabien. Der wichtige Handelsweg führte an dieser Stelle vom Toten Meer zur Arava-Senke und von dort weiter nach Akaba am Roten Meer.

 Die Burg wurde 1115 von Balduin I. von Jerusalem als erste Burg östlich des Jordans und des Toten Meers errichtet. Anlass war ein Feldzug, bei dem er 1116 Akaba eroberte. Die günstige Lage der Burg erlaubte es Balduin, die Wirtschaft der Gegend zu kontrollieren, da Pilger und Händler eine Erlaubnis brauchten, die Straße zu benutzen. Die Burg war von relativ fruchtbarem Land umgeben, was die Versorgung ihrer Besatzung erleichterte. Zudem wurden zwei Brunnen gegraben und mit langen und steilen Treppen versehen.

Rainald von Chatillon nutzte die Burg, um die reichen Karawanen anzugreifen, die bisher die Straße ohne Schaden zu nehmen passieren konnten. Auch ließ er hier Schiffe bauen, die er über Land ans Rote Meer transportieren ließ, um Mekka anzugreifen. Der Ayyubiden-Sultan Saladin griff daher das Königreich 1187 an, eroberte Jerusalem und ließ seinen Bruder al-Adilim gleichen Jahr auch Montreal belagern. Den Verteidigern wird nachgesagt, während der Belagerung ihre Frauen und Kinder für Nahrung verkauft zu haben, und dass sie aus Mangel an Salz blind geworden seien. Wegen des Hügels konnten die Angreifer keine Belagerungsmaschinen einsetzen, so dass die Burg erst nach zwei Jahren im Mai 1189 fiel.

Die gesamte Anlage ist beachtlich und bot einer großen Anzahl von Menschen Platz. Der kurze Zeitraum, den König Balduin 1115 benötigte, um hier eine Burg zu „errichten“, spricht dafür, dass man ältere Ruinen nutzte – möglicherweise solche der Nabatäer, deren frühere Hauptstadt Petra im nahen Bergland von Edom lag, wo später zwei Außenposten von Montreal errichtet wurden. In diesem Fall hätte er erst in den folgenden Jahren mit dem eigentlichen Bau der großen Burg begonnen. Genaueres ist nicht bekannt.

Von der Kreuzritterburg Montreal sind umfangreiche Reste erhalten geblieben, die allerdings bis vor wenigen Jahren weitgehend von Schutt und jüngerer Bebauung bedeckt waren. Besonders beachtenswert sind die Ruinen einer dreischiffigen Kirche (im Osten der Kernanlage) sowie einer kleineren, schlichten Kapelle (im Südosten am Burgeingang). Schriftliche Quellen sowie der Baubefund zeigen, dass die Kreuzritterburg des 12. Jahrhunderts über drei Mauerringe verfügte, von denen zwei inzwischen gut erkennbar sind. Während am äußeren Mauerring rechteckige Türme mit Schießscharten liegen, waren am zweiten inneren Mauerring nur flach vortretende Mauerrisalite vorhanden. Wie der dritte Mauerring aussah, ist derzeit noch nicht ganz klar, es könnte sich um den großen Torzwinger im Süden handeln oder um eine noch nicht näher bekannte Anlage im Inneren der Burg.

Die Ayyubiden errichteten im Norden der Kernanlage einen Palast, der in weiten Teilen erhalten ist und das Ziel archäologischer Untersuchungen wurde. Die Mameluken haben die Burg Ende des 13. Jahrhunderts weiter ausgebaut. Insbesondere die großen rechteckigen Türme an der äußeren Ringmauer stammen aus dieser Bauphase.

Derzeit werden in Schaubak umfangreiche Ausgrabungen und Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt. Der Zustand vor den Arbeiten wurde jedoch nur wenig dokumentiert.

Nach ausführlicher Besichtigung ging es zum nächsten Etappenziel – Wadi Rum. Das Wadi Rum (arabisch وادي رم, DMG Wādī Ramm; auch Wadi Ram) ist das größte Wadi in Jordanien. Seine Felswände bestehen aus Sandstein und Granit. Als Schutzgebiet mit einer Fläche von 74.000 Hektar wurde es 2011 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Das Wadi ist ein Gebiet mit einer Länge von etwa 100 Kilometern und einer Breite von etwa 60 Kilometern. Es liegt auf etwa 800 m Höhe, wobei die höchsten Erhebungen der Dschabal Umm ad-Dami mit 1832 m und der Dschabal Ram mit 1754 m sind.

Regen gibt es von Oktober bis in den März, wobei der Januar mit etwa 50 mm Niederschlag am feuchtesten ist. Im Winter können die Temperaturen durchschnittlich bis knapp über 0 °C fallen und im Sommer bis durchschnittlich 34 °C steigen.

Das Wadi Rum ist seit prähistorischen Zeiten von vielen Kulturen bevölkert worden. Sie hinterließen ihre Spuren in Form von Felszeichnungen und Tempeln. Bekannt wurde Wadi Rum durch das Buch Die sieben Säulen der Weisheit des britischen Offiziers Thomas Edward Lawrence, der hier während der Arabischen Revolte von 1917 bis 1918 stationiert war, und später noch mehr durch den Film Lawrence von Arabien.

Das Wadi Rum ist eines der wichtigen touristischen Ziele in Jordanien. Beliebt ist das Übernachten unterm Sternenhimmel, Reiten mit Araberpferden (bei uns waren es Kamele) und das Wandern und Bergsteigen in den massiven Felsformationen. Bergsteiger werden besonders von seinen Granit- und Sandsteinformationen angezogen, Wanderer hingegen genießen die Stille. Diese touristischen Aktivitäten sind die Haupteinnahmequelle der Beduinen.

Die Landschaft diente als Kulisse für mehrere Unterhaltungsfilme, die auf dem Mars spielen, darunter Red Planet (2000) und Der Marsianer – Rettet Mark Watney (2015).

Im Captain’s Desert Camp angekommen, waren alle auf die Unterkünfte gespannt. Übernachten im Zelt – das weckte bei einigen Teilnehmer doch arge Befürchtungen. Alles halb so schlimm. Die “Zelte” ähneln eher Bungalow’s als Zelten. Alle sind mit Strom und einer Nasszelle ausgestattet. Nachdem die Schlüssel verteilt waren, jeder seine Unterkunft bezogen hatte, trafen wir uns alle um die Feuerstelle zum Tee.

Für den späten Nachmittag war dann noch der Kamelritt in den Sonnenuntergang angesagt. Die Teilnahme war allerdings freiwillig. Einer nach dem anderen bekam “sein” Kamel zugewiesen und nahm darauf Platz. Wenn das Kamel aufsteht, streckt es zuerst die Hinterbeine und gibt dadurch dem Reiter einen (ziemlichen) Schubs nach vorne. Daher ist es dringend empfohlen, sich am Sattelknauf fest zu halten. Erst dann streckt das Kamel seine Vorderbeine und erhebt seinen Reiter auf eine Höhe von ungefähr zwei Metern über dem Erdboden. Es ging bei allen gut und nachdem die Reihenfolge festgelegt war ging es los. Schon nach ein paar Minuten merkte ich, dass dies kein Spaziergang werden würde. Nicht das mir durch die Schaukelei schlecht geworden wäre, das nicht, aber da der Kamelsattel über keine Steigbügel verfügt, gibt es auch keine Entlastung für die Beine. Ich konnte schon bald nicht mehr richtig sitzen, und die Tour sollte 1,5 Stunden dauern…

 

Die Pause kam mir dann vollkommen recht. Den Sonnenuntergang konnten wir nicht bewundern, da der Himmel zugezogen war, dennoch war die Aussicht grandios. Erinnerungen an Namibia wurden wach. Den halbstündigen Ritt zurück habe ich dann auch noch überstanden. Bilder von unterwegs konnte ich nicht machen, da hilft auch kein eingebauter Bildstabilisator. Dank der zurückgeblieben Teilnehmer kamen doch noch einige Bilder zustande. Eines habe ich jedoch feststellen müssen, Kamelreiten gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen – aber man sollte es mal gemacht haben. An meinen Haltungsnoten muss ich unbedingt noch arbeiten.

Am Abend wurde dann von den Beduinen ein traditionelles Essen im Erdofen zubereitet, welches wir dann in großer Runde bei Life-Musik genießen durften. Mir hat es jedenfalls geschmeckt. Danach haben wir noch am Lagerfeuer bei viel süßen Tee zusammengesessen und viel gequatscht. Die erste Nacht stand bevor…

Als weitere Option wurde eine Ballonfahrt für den nächsten Tag angeboten. Diese wurde aber im Laufe des Abend abgesagt, sei es weil sich nur ein Teilnehmer dafür gefunden hat oder weil das Wetter nicht mitspielte (so die offizielle Begründung), es war zugegebenermaßen recht windig…

Ausgaben: 
Kamelritt 5 oder 10 Dinar - Schande, ich weiß es nicht mehr... 
Abendessen Getränke 1,00 Dinar 
Gesamtausgaben: ??? Dinar = ??? €  

Morgen steht die 4-stündige Jeep-Safari an…

Veröffentlicht in Gruppenreisen Jordanien 2016

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