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Jordanien – Tag 7 – 20. November 2016

Tag 7 – Das achte Weltwunder…

…so wird Petra bezeichnet, das einstige Zentrum des Nabatäer-Volkes - zu Recht! Wir starten unsere Entdeckungstour mit einem Spaziergang durch die einzigartige Felsenschlucht „Siq“, die uns zum Schatzhaus „Al Khazneh“ führt. Unvergesslich ist der erste Blick, wenn sich das in den Sandstein eingemeißelte Schatzhaus vor uns auftut. Wir spazieren weiter bis zum sogenannten „Äußeren Siq“, flanieren auf dem „Cardo Maximus“ bis zum Theater und weiter zu den Königsgräbern. Über den Cardo“ erreichen wir den antiken Markt, einige Tempel und eine byzantinische Basilika. Dann stehen wir vor dem Palast der Pharaonentochter, dem größten Bauwerk Petras, das zu Ehren von nabatäischen Göttern erbaut wurde. Nach einer Pause wird es etwas schweißtreibend: Am späten Nachmittag führt uns eine Wanderung etwa 1 Stunde lang bergauf (insgesamt 1,5 Std, mittelschwer): Unser Ziel ist ein Aussichtspunkt, von dem wir einen herrlichen Blick auf das Schatzhaus haben! Vielleicht haben Sie Lust, nach unserer Rückkehr ins Hotel am Abend ein Hammam aufzusuchen – entspannen Sie Ihre Glieder!
Fahrstrecke: - | Übernachtung: Hotel La Maison★★★ im Wadi Musa/Petra | Mahlzeiten: F, A

Heute nun endlich die Besichtigung von Petra. Die Nacht war etwas unruhig, ein Hund “kläffte” fast stundenlang, nur gegen 5 Uhr unterbrochen vom morgendlichen Weckruf des Muezzin und brachte mich so fast um den Schlaf. Das Frühstück gestaltete sich dann ebenfalls zur Geduldsprobe. Neben dem üblichen Fladenbrot gab es auch Weißbrot, dass allerdings die ganze Nacht im Kühlschrank “schockgefrostet” wurde. Dafür konnte man es dann toasten! Leider war aber nur ein kleiner Toaster für alle da und so nahm das Drama seinen Lauf. Wenn die Scheiben dann zu dick geschnitten wurden, verkantete das Brot im Toaster und kam natürlich nicht mehr raus. Mit Messer und Brotzange wurde versucht es rauszubekommen. Gelingt nicht immer, und außerdem sind die Heizstäbe dann ziemlich verbogen. Vielleicht sollte man dem Hotel mal einen Industrietoaster spendieren… Der Kaffee ebenfalls nicht mein Geschmack, bin aber ja schon zu Beginn der Reise auf Tee umgestiegen.

Nach dem Frühstück ging es dann in Richtung Besucherzentrum. Karim kümmerte sich um die Eintrittskarten und bat die Gruppe doch bitte zusammenzubleiben, er möchte uns doch so viel erzählen. Mal sehen, wie lange das gutgeht…

Die verlassene Felsenstadt Petra (arabisch البتراء al-Batrā’) im heutigen Jordanien war in der Antike die Hauptstadt des Reiches der Nabatäer. Wegen ihrer Grabtempel, deren Monumentalfassaden direkt aus dem Fels gemeißelt wurden, gilt sie als einzigartiges Kulturdenkmal. Am 6. Dezember 1985 wurde Petra in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Östlich der Aravasenke, auf halbem Weg zwischen dem Golf von Akaba und dem Toten Meer, liegt Petra auf einer Höhe zwischen 800 und 1350 m in einem weiten Talkessel im Bergland von Edom. Dank ihrer strategisch günstigen Lage am Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenwege, die Ägypten mit Syrien und Südarabien mit dem Mittelmeer verbanden, war die Stadt vom 5. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. ein bedeutender Handelsplatz. Insbesondere kontrollierte Petra einen wichtigen Knotenpunkt der Weihrauchstraße. Diese uralte Handelsroute führte vom Jemen aus an der Westküste Arabiens entlang und teilte sich bei Petra in einen nordwestlichen Zweig, der nach Gaza und in einen nordöstlichen, der nach Damaskus führte.

Zur verkehrstechnisch günstigen Lage kamen Vorteile der örtlichen Geographie. Zum einen liegt Petra versteckt und gut geschützt zwischen schroffen Felswänden. Der Ort ist nur über einen schmalen Gebirgspfad von Nordwesten zugänglich oder von Osten her durch eine etwa 1,5 Kilometer lange und etwa 70 Meter tiefe Felsschlucht, den Siq (dt.: „Schacht“), der an seiner engsten Stelle nur 2 Meter breit ist. Zum anderen verfügte Petra in der Antike über eine sichere Wasserversorgung. Brauch- und Trinkwasser wurden über in den Fels gemeißelte Aquädukte in die Stadt geleitet sowie durch Terrakottaröhren, die ebenfalls in die Felswände eingelassen und mit Gips abgedichtet waren. Das höchst komplexe Wasserversorgungssystem, das mehr als 200 Zisternen umfasste, speiste sich aus allen bekannten Wasserquellen im Umkreis von mehr als 25 Kilometern um die Stadt.

Die enge Verbindung von Fels und Wasser in der Region ließ die Legende entstehen, Petra sei der Ort gewesen, an dem Mose beim Exodus des Volkes Israel aus Ägypten mit dem Schlag seines Stabes eine Quelle aus dem Stein habe sprudeln lassen. Die Region um Petra trägt daher den Namen Wadi Musa (dt.: „Mosestal“). Tatsache ist, dass die Nabatäer mit ihren Fähigkeiten in der Wasserbewirtschaftung eine künstliche Oase und damit eine wesentliche Voraussetzung für Blüte und Wachstum der Stadt schufen.

Das Wasser und die sichere Lage machten Petra zu einer bevorzugten Station für Karawanen aus dem Süden Arabiens, die überwiegend mit Luxusgütern für Abnehmer aus dem gesamten Mittelmeerraum beladen waren: mit Gewürzen aus Indien und Seide aus China, Elfenbein aus Afrika, Perlen aus dem Roten Meer und Weihrauch aus dem Süden Arabiens. Das Harz des Weihrauchbaums war in der gesamten antiken Welt als besonders kostbare religiöse Opfergabe und als Arzneimittel begehrt. In umgekehrter Richtung gelangten über Petra Waren aus der Levante, etwa Goldschmiedearbeiten aus Aleppo, zu den Märkten des Jemen und Omans. Zwischenhandel und Zölle warfen für die Nabatäer hohe Gewinne ab.

Petra gilt heute als eine der größten Sehenswürdigkeiten des Nahen Ostens. Seine Erschließung für den modernen Fremdenverkehr begann in den 1930er Jahren. Damals wurden die ersten Hotels bei Petra gebaut, einige sogar unmittelbar in der Stadt selbst, zum Teil direkt vor dem Römischen Theater. Diese Bausünden wurden mittlerweile beseitigt.

Um Petra touristisch besser nutzen zu können, siedelte die jordanische Regierung zwischen 1968 und 1985 die Beduinen vom Stamm der B’doul zwangsweise um, zu deren Gebiet Petra gehört. Sie hatten die kühlen, schattenspendenden Grabbauten bis dahin als Wohnungen genutzt. Heute wohnen die B’doul in den umliegenden Dörfern, vor allem in Wadi Musa. Ein Großteil von ihnen lebt vom Petra-Tourismus, zum Beispiel als Fremdenführer. Einige ihrer ehemaligen Felswohnungen nutzen sie weiterhin als Souvenirläden. Es gibt dabei eine klare Teilung: die Männer, warum sehen alle so aus wie Jack Sparrow, die Karibik liegt doch am anderen Ende der Welt, werben mit Kamelen und Eseln um die Touristen. Die Frauen sind an den Verkaufsständen und die Kinder versuchen, Ansichtskarten an den Mann oder Frau zu bringen. Manchmal etwas lästige, aber es geht noch. 

Wegen seiner einzigartigen Bauten diente Petra mehrfach als Filmkulisse, z. B. in Ray Harryhausens 1975 gedrehtem Fantasyfilm Sindbad und das Auge des Tigers und im dritten Teil der „Indiana-Jones-Tetralogie“ von Steven Spielberg. Die letzten Szenen von „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ entstanden im Siq und vor dem Khazne al-Firaun, dessen Äußeres die Fassade des Gralstempels darstellt. Muss mir unbedingt den Film noch mal anschauen.

Etwa 800 historische Baudenkmäler und Opferplätze sind in und um Petra erhalten geblieben. Karim erzählte und unterwegs viel von der Geschichte, machte uns auf das eine oder andere Detail aufmerksam, was uns ansonsten bestimmt entgangen wäre. So zog sich der Weg durch die Schlucht hin – wir wollten doch endlich das Schatzhaus sehen! Dann endlich, so wie im Film, noch eine Biegung und dann stand man vor diesem monumentalen Bauwerk. Es ist schon echt beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, dass dies alles mit einfachsten Mitteln durch Menschenhand geschaffen wurde.

Das „Schatzhaus“

An der Einmündung des Siq in den Talkessel steht das wohl berühmteste Bauwerk Petras, das fast 40 Meter hohe und 25 Meter breite, im hellenistischen Stil erbaute Khazne al-Firaun. Das „Schatzhaus des Pharao“, wie es von den Beduinen genannt wurde, war in Wirklichkeit eines von zahlreichen Felsgräbern. Es wurde möglicherweise für den Nabatäerkönig Aretas IV. angelegt, der im 1. Jahrhundert v. Chr. regierte. Andere Forscher datieren das Khazne dagegen erst ins 2. Jahrhundert n. Chr., in die Zeit des Kaisers Hadrian. Über einem Portikus aus sechs korinthischen Säulen erhebt sich eine kleine, von zwei Halbgiebeln flankierte Tholos, ein Rundtempel. Zwischen den Säulen befinden sich verwitterte Reste von Relieffiguren. An der Urne, auf der Spitze des Rundtempels, sind Einschusslöcher zu erkennen. Sie gehen auf Flintenschüsse von Beduinen zurück, die einst versucht hatten, den vermeintlichen Schatzbehälter aufzubrechen. Die Urne besteht aber, wie der gesamte Bau und die anderen Königsgräber Petras, überwiegend aus massivem Fels.

Besichtigen kann man das Gebäude natürlich nicht, ist ja auch nichts mehr drin. Je nach Lichteinfall und Sonnenstand erstrahlt der Fels in den unterschiedlichsten Farben. Rechterhand geht es dann weiter in Richtung Römisches Theater.

Das Römische Theater

Auf dem Weg vom Khazne al-Firaun ins Zentrum Petras liegt links das Römische Theater, das ebenfalls direkt aus dem anstehenden Fels gemeißelt wurde. Je nach Quelle bot es auf 45 Sitzreihen fünf- bis zehntausend Zuschauern Platz. Damit sich bei Regenfällen kein Wasser in der Arena sammeln konnte, installierten die Nabatäer ein ausgeklügeltes Abflusssystem. Der typisch römische Stil des Theaters zeigt sich beispielsweise an der erhöhten Bühne. Die mit Säulen versehene Bühnenrückwand war zweigeschossig und mit Fresken, Statuen und Marmorfriesen geschmückt. Eine 25 Meter hohe Mauer schloss das Theater nach außen ab. Bei seinem Bau im 1. Jahrhundert wurden einige Grabkammern freigelegt, die früher in das rückwärtige Felsmassiv getrieben worden waren. In solchen Schachtgräbern hatte man in der Antike ärmere Einwohner der Stadt beigesetzt. Vermutlich wurde das Theater durch ein Erdbeben im Jahr 363 nach Christus zerstört. 1961 wurde es von amerikanischen Archäologen wiederentdeckt und ausgegraben.

Die Gräber der Königswand

Nordöstlich des Theaters erhebt sich die so genannte Königswand. Auf halber Höhe reihen sich dort 13 monumentale Grabtempel aneinander, die aufgrund ihrer Größe und Ausschmückung als Königsgräber gedeutet werden. Dazu gehören etwa das „Palastgrab“, die größte Anlage in Petra überhaupt, das „Korinthische Grab“, das „Soldatengrab“ und das „Urnengrab“ aus dem 2. oder 3. Jahrhundert. Dessen Felsenhalle birgt drei Grabnischen. Zudem verfügt es über einen von Säulen umstandenen Vorhof, der über einen gemauerten Unterbau erreichbar ist. Nördlich der sogenannten Königsgräber liegt das etwas kleinere „Grab des Sextius Florentinus“. Die Baustile der Gräber lassen nabatäische, griechische und römische Einflüsse erkennen.

Das einstige Stadtzentrum

Senkrecht zur Königswand verläuft in Richtung Westen die „Säulenstraße“, die einstige Hauptverkehrsachse Petras. Während die in den Fels gehauenen Grabtempel die Jahrtausende überdauert haben, sind die Wohnhäuser der Nabatäer längst zerfallen. Links und rechts der Säulenstraße haben sich aber noch Reste des Marktes, des „Temenos-Tors“, einer byzantinischen Basilika und mehrerer Tempel erhalten. Der größte davon, Qasr al-Bint Fara’un aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. war möglicherweise den nabatäischen Hauptgöttern Dushara und Al-Uzza geweiht. Der heutige arabische Name bedeutet „Palast der Pharaonentochter“ und geht auf eine spätere Deutung durch die Beduinen zurück.

Am Ende der Säulenstraße “entließ” uns dann Karim. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Während viele sich nochmals bei den Verkaufsständen umsehen wollten, machten wir uns auf das Kloster “ad-Deir” zu besichtigen. Eine anstrengende mehrstündige Wanderung mit über 900 Treppenstufen wurde uns versprochen.

Der Felsentempel ad-Deir

Am modernen Museum im Westen des Talkessels vorbei führt ein Bergpfad durch das Wadi Kharareeb zum außerhalb der eigentlichen Stadt gelegenen Felsentempel ad-Deir. Sein Name, auf Deutsch „Kloster“, geht darauf zurück, dass sich im Mittelalter Mönche darin niederließen. Anders als das Khazne Firaun liegt das ad-Deir nicht versteckt, sondern hoch am Berg und beeindruckt nicht zuletzt durch seine Größe. Es ist 39 Meter hoch und 47 Meter breit; allein die Urne auf der Spitze des Rundtempels misst 9 Meter in der Höhe. Wegen seines schlichten, aber monumentalen Stils und seiner einsamen Lage zählt das ad-Deir zu den beeindruckendsten Werken nabatäischer Baukunst.

Dort angekommen, wusste man gar nicht wo man zuerst hinschauen sollte. Das Kloster ebenso beindruckend wie das Schatzhaus oder die Aussichten in die angrenzende Halbwüste. Der Aufstieg hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Auf dem Rückweg wären wir wahrscheinlich am “Lion Triclinium” vorbeigelaufen, wenn uns eine Beduinin nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Ein kleiner Seitenweg und dann konnte man die drei Löwen erkennen. Frage an Carina: Wo sind die Löwen?

The Lion Triclinium

Für den heutigen Tag war es genug, das alles muss man erst mal verarbeiten. Morgen stand noch ein Besichtigungstag für Petra an. Dann haben wir uns vorgenommen, das Schatzhaus von oben in Augenschein zu nehmen und den hohen Opferplatz, von dort sollte man einen wunderbaren Blick auf die  Königsgräber haben.

Eine ausgiebige Dusche im Hotel tat dann gut. Abendessen gab es in Form eines Buffets im Hotel.

Ausgaben:
Wasser 0,50 Dinar
Lunch Sandwich Tee 5 Dinar
Postkarten 2 Dinar
Abendessen Getränke 5,50 Dinar
Eintritt Petra bei Nacht 17 Dinar
Eintritt Petra 2. Tag 5 Dinar
Gesamtausgaben: 35,00 Dinar = 47,68 €  

Morgen geht’s dann weiter und als Höhepunkt – Petra bei Nacht…

Veröffentlicht in Gruppenreisen Jordanien 2016

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