Springe zum Inhalt →

Jordanien – Tag 4 – 17. November 2016

Tag 4 – Wüstenschlösser

Heute machen wir einen Ausflug in die Halbwüste Badia zu den berühmten Wüstenschlössern Kharanah, Amra und Azraq. Die eindrucksvollen Bauten erinnern an die Zeit der Karawansereien und Eroberungen. Nachdem wir die Schlösser ausgiebig entdeckt haben, geht es zurück nach Madaba zur Besichtigung der griechisch-orthodoxen Kirche St. George. Hier befindet sich das berühmte Mosaik, welches eine Landkarte Palästinas aus den Jahren 560-565 zeigt. Genießen Sie dieses eindrucksvolle Kunstwerk, bevor Sie den Abend für sich haben, um durchdie orientalischen Gassen der Stadt zu schlendern.
Fahrstrecke: 190 km | Übernachtung: Grand Hotel★★ in Madaba | Mahlzeiten: F

Nach dem Frühstück ging es mit dem Bus gen Osten. Die 3 Wüstenschlösser stehen auf dem Programm. Unterwegs wurden noch die 30 Dinar für die Trinkgelder eingesammelt. Diese werden an die vielen fleißigen Helfer verteilt…

Angefangen vom Busfahrer, den Kofferträgern im Hotel, den Zimmermädchen und so weiter. Karim führte penibel darüber Liste. Was mich dennoch an der Tatsache stört: Im Begleitschreiben von World Insight war die Rede von 20 €! Auf Nachfrage hieß es, dass wären noch die alten Preise, der Euro hätte mittlerweile an Wert gegenüber dem Dinar verloren. Wenn wirklich so, dann eine Bitte an World Isight: passt den Katalog an! Genug gemeckert – das erste Wüstenschloss kommt in Sicht.

dscn1747

Qasr Kharanah ist das bekannteste und eines der besterhaltenen Wüstenschlösser Jordaniens, so laut Wikipedia. Sein Standort befindet sich etwa 60 km östlich der Hauptstadt Amman und in relativer Nähe zur saudi-arabischen Grenze im Gouvernement Amman. Aufgrund der sichtbaren Einflüsse sassanidischer Architektur zusammen mit einigen Graffiti in einem der oberen Räume ist zu vermuten, dass es bereits vor dem frühen 8. Jahrhundert erbaut wurde. Es ist somit eines der frühestens Beispiele für die islamische Architektur in dieser Region.

Die ursprüngliche Nutzung dieser Anlage ist bis heute unklar. Da die innere Anordnung des Gebäudes auf keine militärische Verwendung hindeutet, ist der aufgrund seiner äußeren Erscheinung naheliegende Begriff „Burg“ für dieses Bauwerk keine zutreffende Bezeichnung. Zwar finden sich entlang seiner Außenmauern Schlitze, die an Schießscharten erinnern mögen, sie wurden jedoch mit Bestimmtheit nicht für einen solchen Zweck vorgesehen. Der Bau könnte dagegen eine Karawanserei oder ein Rastplatz für Händler (diese Meinung vertrat auch Karim), allerdings fehlt hierfür eine Wasserquelle, die sich gewöhnlich in der Nähe solcher Anlagen befinden müsste. Zudem liegt das Qasr Kharanah auf keiner der wichtigen Handelsrouten dieser Region.

Unabhängig von seinem ursprünglichen Gebrauch ist das Bauwerk sehr gut erhalten. Da es nicht weit von Amman entfernt ist und direkt an einer Hauptverkehrsstraße liegt, ist es eines der am meisten besuchten Kastelle der jordanischen Wüste. In den späten 70ern wurde Teile der zerfallenen und verwitterten Abschnitte des Gebäudes rekonstruiert. Wikipedia hält einen ausführlichen Bericht über das Kastell bereit.

dscn1778

Neben dem Kastell befindet sich ein Beduinenzelt, dort kann man in Ruhe ein Glas Tee trinken und wer es mag, eine Wasserpfeife rauchen. Nasar, unser „Dorfsheriff“ machte davon ausführlich Gebrauch.

Weiter ging die Fahrt zum Qusair Amra, zu Deutsch: Kleiner Palast von Amra. Es ist eine Art Jagdschloss, ca. 70 km östlich von Amman, aus dem frühen achten Jahrhundert. Seit 1985 gehört es zum Weltkulturerbe der UNESCO.

dscn1781

Qusair Amra besteht aus einem Thronsaal und einem Bad im römischen Stil. Die Räume sind für einen Palast recht klein und lassen nur auf kurze Aufenthalte schließen. Das Besondere an dem Qusair Amra ist jedoch die reiche Wandbemalung, die selbst nach 1300 Jahren noch teilweise vorhanden ist, jedoch in den letzten Jahrzehnten stark durch Vandalismus und unsachgemäße Behandlung gelitten hat. Bei der Entdeckung durch Alois Musil, einem österreich-ungarischen Orientalisten, im Jahr 1898 wurden jedoch Kopien der Wandbemalungen angefertigt und somit für die Nachwelt erhalten, wenn auch in mangelhafter Art und Weise.

dscn1794

Die Wandbemalung sind echte Fresken, d.h. feucht aufgetragene Farbe, die in den Verputz des Mauerwerks einwirken konnte. Dadurch war es möglich, dass trotz heißer und feuchter Luft, wie sie im Bad des Qusair Amra vorherrschend war, die Bemalungen erhalten geblieben sind. Die Darstellungen variieren stark und es gibt kein homogenes Thema, auch keinen vorherrschenden Stil. Es sind Darstellungen zu sehen, wie sie aus der Antike bekannt sind, aus persischer und arabischer Kunst ebenso. Themen sind Jagd, Badeszenen, unbekleidete Frauen, Handwerk, Astralkörper, Tiere, Akrobaten, erotische Szenen, sowie königliche Figuren. Sie sind über alle Räume verteilt und lassen keinen endgültigen Schluss über deren Bedeutung zu. Es ist jedoch anzumerken, dass diese Wandbemalungen ein wichtiges Zeugnis für die frühe islamische Kunst sind, da sie rein säkular sind, d.h. keinen religiösen Charakter tragen und somit auch das private Leben darstellen. Ebenso zeigen sie, dass das Verbot, naturgetreue Bildnisse anzufertigen, erst eine spätere Entwicklung des Islam war.

Dieses Wüstenschloss ist nicht das größte, aber meiner Meinung nach das Schönste. Die Zeit war leider sehr knapp bemessen, da sich nicht viele Personen gleichzeitig in Räumen aufhalten können und die nächste Reisegruppen schon im Anmarsch waren. Einen Besuch ist in jedem Fall empfehlenswert und ein Muss.

Aller guten Dinge sind Drei. Nach diesem Motto ging es weiter gen Osten. Die irakische und saudi-arabische Grenze rückt immer näher. Links und rechts nichts als Halbwüste. Da wir unbedingt ein Verkehrsschild (siehe Titelbild oben) fotografieren wollten, machten wir einen kurzen Fotostopp. Ein paar Kilometer weiter wurden wir plötzlich von einer Militärstreife gestoppt. Grund des Haltens war: Rechterhand des Schildes befand sich ein Militärflughafen und die sehen es nicht so gerne, wenn fotografiert wird. Zu Zeiten des Irak-Krieges wurden von dort Angriffe der Alliierten geflogen.

dscn1816

Nach weiteren 40 Kilometern erreichten wir Qasr al-Azraq. Wieder ein Kontrastprogramm. Die Burg hat einen quadratischen Grundriss mit etwa 80 Meter langen Mauern um einen großen zentralen Platz und ist aus schwarzem Basalt erbaut. In der Mitte des Platzes steht eine, vermutlich zu Zeiten der Umayyaden errichtete Moschee. An den Ecken der äußeren Mauern befinden sich vier rechteckige Türme. Der Haupteingang besteht aus einer massiven, schwenkbaren Granitplatte. Dahinter gelangt man in eine Vorhalle, in der man eingeritzt am Boden die Überreste eines römischen Brettspiels sehen kann.

dscn1823

Die Burg hatte besondere strategische Bedeutung auf Grund ihrer Lage in der Mitte der Oase Azraq, der einzigen permanenten Süßwasserquelle in der Wüstenregion von etwa 12000 qkm. Dies führte zu mehrfachen Eroberungen durch verschiedene Gruppen.

Ursprünglich wurde das Gebiet von Nabatäern bewohnt und fiel gegen 300 n.Chr. während der Herrschaft Diokletians unter römische Kontrolle. Die Römer errichteten aus lokalem Basalt eine Steinstruktur, die die Grundlage für spätere Bauten während des Byzantinischen Reiches und der Dynastie der Umayyaden an gleicher Stelle bildete.

Sein endgültiges Aussehen erhielt Quasr al-Azraq ab 1237, als die Mamelucken, auch unter Izz ad-Din Aibak es umgestalteten und zur Burg ausbauten.

dscn1831

Im 16. Jahrhundert errichteten die Osmanen hier eine Garnison. Im Winter 1917 richtete Thomas Edward Lawrence (Lawrence von Arabien) hier sein Hauptquartier während der arabischen Revolte gegen das Osmanische Reich ein. Sein Büro befand sich in der Kammer über dem Torhaus.

Am Nachmittag fuhren wir dann wieder nach Madaba zurück. Die St.-Georgs-Kirche mit dem berühmten Mosaik war das Ziel. Die Mosaikkarte von Madaba (auch Madaba-Mosaik oder Palästina-Mosaik) ist Teil eines Mosaiks in der St.-Georgs-Kirche in Madaba (Jordanien). Das Madaba-Mosaik ist die älteste im Original erhaltene kartografische Darstellung des sogenannten Heiligen Landes und insbesondere Jerusalems. Sie stammt aus dem mittleren 6. Jahrhundert n. Chr.

dscn1878

Die Mosaikkarte von Madaba zeigt in Jerusalem die Nea-Kirche, die am 20. November 542 geweiht wurde. In Jerusalem nach 570 errichtete Bauwerke fehlen in der Mosaikdarstellung, so dass die Entstehung der Karte auf den Zeitraum von 542 bis 570 eingegrenzt werden konnte. Das Mosaik wurde von unbekannten Künstlern geschaffen – wahrscheinlich im Auftrag der christlichen Gemeinde der Stadt Madaba, die in christlich-byzantinischer Zeit Bischofssitz war. Im 8. Jahrhundert ließen die muslimischen Umayyaden-Herrscher einige der figürlichen Elemente aus dem Mosaik entfernen. 614 wurde Madaba von den Persern erobert und 746 durch ein Erdbeben stark zerstört. ticket_madaba-mosaic-map-church Die von ihren Bewohnern verlassene Stadt verfiel. 1894 wurde das Mosaik während der Arbeiten für den Bau einer neuen griechisch-orthodoxen Kirche am Ort der alten byzantinischen Kirche freigelegt. Große Teile der Mosaikkarte wurden in den folgenden Jahrzehnten durch Brände, Feuerbestattungen in der Kirche sowie Wasser- und Feuchtigkeitseinwirkungen beschädigt. Im Dezember 1964 stellte die VolkswagenStiftung dem Deutschen Verein zur Erforschung Palästinas 90.000 DM für die Rettung des Mosaiks zur Verfügung. Der spätere Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, Heinz Cüppers, und der Alttestamentler Herbert Donner führten von September 1965 bis November 1965 die dringend erforderlichen Arbeiten zur Restaurierung und Konservierung der erhalten gebliebenen Teile der Mosaikkarte durch.

Das Bodenmosaik befindet sich vor der Apsis der St.-Georgs-Kirche in Madaba und ist nicht genordet, sondern so nach Osten ausgerichtet, dass die Lage der Orte auf der Karte den tatsächlichen Himmelsrichtungen entspricht. Ursprünglich hatte es eine Länge von 21 m und eine Breite von 7 m und bestand aus über zwei Millionen tesserae.[1] Die heutige Größe beträgt 16 m mal 5 m.

dscn1883

Auf der Mosaikkarte von Madaba wurde ein Gebiet vom Libanon im Norden bis zum Nildelta in Ägypten und vom Mittelmeer bis zur östlichen Wüste dargestellt. Die Karte zeigt u. a. das (fischlose) Tote Meer mit zwei Booten, Brücken, die die Ufer des Jordan verbinden, im Jordan schwimmende Fische, die vor dem salzigen Toten Meer zurückweichen; einen von Ikonoklasten durch willkürlich eingefügte tesserae fast unkenntlich gemachten Löwen, der in der Wüste Moabs eine Gazelle jagt, das mit Palmen umstandene Jericho, Betlehem und andere biblisch-christlichen Stätten. Die Karte diente wohl dazu, Pilgern die Orientierung im Heiligen Land zu erleichtern. Alle naturräumlichen Einheiten sind mit Erläuterungen in griechischer Sprache beschriftet. In einer Kombination von Klapp-Perspektive und vogelschauartiger Darstellung sind ungefähr 150 Städte und Dörfer auf der Mosaikkarte abgebildet und benannt.

Das größte und detailreichste Element der topografischen Darstellung ist Jerusalem im Zentrum der Karte, das mit HAΓΙAΠOΛIϹIEPOYϹAΛHM (griechisch Ἁγία πόλις Ιερουσαλήμ “Heilige Stadt Jerusalem”) bezeichnet wird. Das Mosaik zeigt gut erkennbar einige signifikante Strukturen der Altstadt von Jerusalem: das Damaskustor, dasLöwentor, das Goldene Tor, das Zionstor, die Grabeskirche, die Davidszitadelle und den Cardo Maximus. Die nachvollziehbare Darstellung der Topografie der Stadt macht die Madabakarte zum wichtigsten Zeugnis des byzantinischen Jerusalems. Einzigartig sind die detaillierten Darstellungen der Städte Neapolis, Askalon, Gaza, Pelusium und Charachmoba auf der Madabakarte, die fast der Qualität eines Stadtplans entsprechen.

Danach war Freizeit angesagt. Die meisten nutzen die verbleibende Zeit zu einem Einkaufsbummel. Zusammen mit Carina bin ich dann noch in das Stadt- und Mosaikmuseum gegangen. Der Museumsangestellte gab uns eine Art Privatführung. ticket_madaba-museumEr erläuterte jedes Exponat sehr ausführlich. Die Mosaiken, teilweise an den Originalstandorten, waren sehr beeindruckend. Eine leichte Staubschicht trübte das Bild allerdings ein wenig. Wurden die Mosaiken aber mit Wasser besprüht, kamen die natürlichen Farben sehr schön zur Geltung. Dadruch, dass wir die einzigen Besucher waren, konnten wir die Exponate in aller Ruhe betrachten, auch jenseits der Absperrungen. Man merkte ihm an, dass er mit Freude bei der Arbeit war. Deswegen war die Bitte um ein “Tip” durchaus verständlich.

Auf dem Heimweg zum Hotel haben wir dann auch noch kurz in das eine oder andere Geschäft reingeschaut. Besonders angetan hatte es uns die Bäckerei, nicht vergleichbar mit Deutschland. Eine reisen Auswahl! Dem Gebäck sah man schon an, dass sehr viel Zucker verarbeitet wurde. Macht nicht’s, es wurde trotzdem als Wegzehrung für den nächsten Tag gekauft.

dscn1921 dscn1922

 

 

 

 

 

 

 

Am Abend wollten wir dann nicht schon wieder in der großen Gruppe essen, so bildeten sich mehrere Grüppchen. Letztendlich haben wir sie dann doch fast alle wiedergefunden. Mit Ellen, Irene und Carina habe ich dann die richtigen Weggefährten gefunden. Nach einem leckeren Abendessen ging’s dann wieder Richtung Hotel.

Ausgaben:
Trinkgeld World Insight 30 Dinar
Eintritt Archäologischer Park 3 Dinar
Tip für Führer 1 Dinar
Postkarten 1,50 Dinar
Gebäck 1,50 Dinar
Abendessen 8 Dinar
Gesamtausgaben: 45,00 Dinar = 61,30 €  

 

Morgen stehen dann der Berg Nero und die Kreuzfahrerburg in Kerak auf dem Programm…

Veröffentlicht in Gruppenreisen Jordanien 2016

Kommentaren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.