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Tag 8 – Grenada – St. George’s

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Inseln über dem Winde – Teil 2 – Grenada

Grenada ist die südlichste der Leeward Islands, der “Inseln über dem Winde” und liegt nur 150 Kilometer von der südamerikanischen Küste entfernt. Die kleineren Schwesterninseln Carriacou und Petit Martinique gehören zu den Grenadinen, die sich bis nach St. Vincent hinaufziehen. Regenwald bedeckt das Landesinnere, während weiße Sandstrände die Küste säumen. Urlauber können auf der 34 mal 19 Kilometer großen Insel wandern und tauchen oder unter Wasserfällen baden. 

Die “Gewürzinsel” Grenada weckt Gedanken an farbenprächtige Märkte, auf den Kakao, Zimt, Muskatnüsse und Vanilleschoten verkauft und in alle Welt exportiert werden. Die fruchtbare Insel bezaubert auch landschaftlich mit üppigen Regenwäldern und steil aufragenden Bergen, dem Vulkan Mount Qua Qua, Kraterseen und Wasserfällen sowie einer Mischung aus hellen und dunklen Sandstränden. Grenada, dessen Bevölkerung hauptsächlich afrikanischer Abstammung ist, wurde 1498 von Kolumbus als erstem Europäer gesichtet. 1877 wurde die Insel britische Kolonie, der Anbau von Gewürzen florierte. 1974 bekam die Insel ihre Unabhängigkeit und ist Mitglied des Britischen Commonwealth.

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Welcome to Grenada

Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist St. George’s mit 35.000 Einwohnern. Die im 18. Jh. gegründete Inselhauptstadt bezaubert mit ihren terassenförmig ansteigenden Häusern zwischen Palmenwäldern und dem Meer – sicherlich eine der schönsten Inselhauptstädte der Karibik.


Liegeplatz:                    Melville Street Pier
Liegezeit:                     09:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Alle Mann an Bord:             17:30 Uhr

Tropische Natur und ein Hauch von Muskat

Feurig war schon der Beginn dieses Eilands, das aus einem Vulkan geboren wurde. Heute ist die südlichste Insel der Kleinen Antillen besonders für köstlichen Gewürze bekannt. Im Inselinneren kann man steile Gipfel, tropischen Regenwald, heiße Quellen und rauschende Wasserfälle erwarten. Zuviel für einen Tag.

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ein fantastischer Sonnenaufgang
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Einlaufen in den Hafen von St. George’s
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Blick auf den Hafen mit Mini-Bus-Depot
Wettervorschau:      leicht bewölkt, 26 ºC
Sonnenaufgang:       06:35 Uhr
Sonnenuntergang:     17:58 Uhr
Nächste Etappe:      151 Seemeilen (280 Kilometer) bis Bridgetown

Hafenstadt mit besonderem Charme: St. George’s

Der hufeisenförmige historische Hafen der Inselhauptstadt St. George’s – die Carenage – wird eingerahmt von grünen Hügeln, an die sich bunte Holzhäuser schmiegen. Vom Fort Frederick, erbaut im Jahre 1785, haben Sie einen Traumblick auf diesen malerischen Binnenhafen und die Stadt. Eine urgemütliche Art, die Carenage zu erkunden, ist eine Fahrt mit dem Donut-Boot. Das sieht genauso aus, wie es heißt, und bewegt sich trotz seiner Kuchenform tatsächlich vorwärts. Gleich neben St. George’s lockt der drei Kilometer lange weiße Sandstrand von Grand Anse.

Soweit die Beschreibung im Ausflugsprospekt. Wie sieht aber die Wirklichkeit aus?

Und da ich hier keinen Ausflug über AIDA gebucht hatte

begab ich auf eigene Faust auf Erkundungstour. Wieder gewappnet mit dem Reiseführer von National Geographic zog ich los um St. George’s zu erkunden. Den besten Eindruck erhält man von der Insel, wenn man mit dem Segelboot in den Hafen von St. George’s einläuft. Nun ja, zwar kein Segelboot, sondern die AIDAdiva, aber es stimmt! Der Hafen von St. George’s gehört zu den malerischsten Häfen in der Karibik, liegt er doch direkt zwischen den steilen Hängen eines erloschenen Vulkans und wird von mehreren Festungen bewacht.

Eine Anhöhe gliedert die Stadt in zwei Teile, die ein viktorianischer Tunnel seit 1895 verbindet. Auf der Hafenseite liegt der hufeisenförmige Carenage, dahinter erstreckt sich die Uferpromenade mit Läden und Restaurants. Die Werften, in denen man einst die Schiffskiele reinigte, gaben dem Hafen den Namen und dienen heute als Anleger für Frachter, Fähren und Fischerboote aus den nahe gelegenen Carriacou.

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Blick vom Fort George auf die AIDA
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Fort George

Im Schatten der Anhöhe steht das Grenada National Museum, das seine Sammlung in der ehemaligen französischen Kaserne von 1704 präsentiert. Präkolumbische Funde und Objekte aus der Kolonialzeit vermitteln die Geschichte der Insel, auch der US-Intervention von 1983 ist ausführlich dokumentiert.

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Grenada National Museum

In der Nähe des Museums befindet sich der 107 Meter lange Sendell Tunnel, der durch den Berg zur Esplanade an der Bucht von St. George’s führt. Fort George, die heutige Polizeiwache, überragt die Hafeneinfahrt.

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Sendall Tunnel von der Südseite
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Sendall Tunnel von der Nordseite
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Die in Reiseführern beschriebene Halifax Street
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Das Paradise Plaza hat auch schon bessere Zeiten erlebt
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Die Halifax Street führt zum Marktplatz

Der Marktplatz ist nur einen Häuserblock vom Minibusdepot am Ufer entfernt. Am meisten Trubel herrscht am Samstagvormittag, wenn Frauen mit Kopftüchern und leuchtend bunten Kleidern frisches Obst und Gemüse sowie Gewürze auf ihren Matten ausbreiten.

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Der zentrale Markt
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Viele Einzelstände aber auch überdachte Hallen
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Unmengen von Gewürzen…
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Der Markt dient hauptsächlich der einheimischen Bevölkerung

Wer den steilen Market Hill hinaufsteigt, gelangt zur Church Street, in der sich einige von St. George’s schönsten alten Häusern an den Berghang schmiegen. 2004 wurde das York House (18. Jh.), Sitz des Parlaments und Obersten Gerichtshofs, sowie die St. George’s Anglican Church (1825) durch Hurrican Ivan stark beschädigt. Beide befinden sich im Wiederaufbau. Die Lucas Street führt am Government House vorbei zum stark verfallenen Fort Matthew und dem besser erhaltenen Fort Frederick.

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Die stark restaurierungsbedürftige St. George’s Parish Church
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ist in einem erbärmlichen Zustand
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Ein Baufortschritt nicht zu erkennen
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Wurden die Arbeiten eingestellt?

Soweit der Reiseführer – nun mein persönlicher Stadtrundgang

Eines vorweg, St. George’s stellt eine eindeutige Verbesserung gegenüber Kingstown dar, auch wenn hier nicht alles Gold ist was glänzt. Es gibt wie in allen karibischen Staaten viel Licht und Schichten. Auch hier viel mir als erstes der chaotische Straßenverkehr auf. Es gilt wie immer das Recht des Stärkeren. Ein ständiges Gehupe gehört zur Tagesordnung, nur noch übertönt von den vielen Ghettoblastern, die einem mit Reggae-Musik zudröhnen.

Verlässt man das Empfangsterminal, wo einem eine Vielzahl von Touren individuell angeboten werden und unzähligen Avancen auf ein unschlagbares Taxiangebot, linkerhand, kommt man in eine der Hauptverkehrsstraßen. Diese führt am National Cricket Stadium vorbei ins Landesinnere.

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Der örtliche Schlachter
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Frischfleisch – ein Gräuel für deutsche Hygieniker
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Der Fischmarkt mit dem täglichen Angebot
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So sieht Fisch aus

 

Sehenswert hier der Fischmarkt, wo fangfrischer Fisch angeboten wird. Biegt man rechts ab, kommt man zur Halifax Street, die zum oben beschriebenen Markt führt. Der Markt ist ganz interessant, aber wohl eher auf die einheimischen  Bedürfnisse ausgerichtet. Das heißt aber nicht, dass man dort nicht allerhand exotische Dinge erwerben kann. Gewürze ohne Ende, die meisten kenn ich nicht mal vom Namen her.

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Die Halifax Street führt zum Markt

Von dort ging es zum Fort George, das heute die Polizeiwache beherbergt. Hier der erste Schock. Ich bin ja bereit Eintritt zu zahlen, 2 US-Dollar sind nicht der Rede wert, aber was einem dafür geboten wird, ist eine Frechheit! Sicherlich nagt an allen historischen Bauwerke der Zahn der Zeit, aber ein Gebäudekomplex einfach dem Verfall preiszugeben, ist für mich nicht nachvollziehbar. So geht man einfach nicht mit historischen Bauten um.

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Das in den Reiseführern gepriesene Fort George
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nicht mehr als die Außenmauern
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Jeder hat Leichen im Keller, wo führt der Tunnel hin…
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… in die Sackgasse
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Im Fort George ansässige Polizeischule – sind die etwa für das Desaster zuständig?
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Das Fort beherbergt heute das Police Office

Von dort oben hat man einen guten Blick auf die beiden Stadthälften. Die drei großen Kirchenbauten im Blick, ging die Rundtour weiter. Die erste liegt gleich unterhalb des Forts. Auch hier nur eine Ruine. Selbst die Gräber wirken irgendwie verlassen.

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Blick vom Fort George auf die Stadt
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geöffnet von 09:00 bis 05:00 Uhr…
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nicht geöffnet, sondern offen von allen Seiten!
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Der Kirchturm steht…
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… der Rest verfällt
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ob sich da jemand im Grabe umdreht?

 

Weiter ging’s zur Nächsten. Wieder der gleiche Anblick. Auch hier ein Bild der Verwüstung. Sicherlich hat der Hurrikan im Jahre 2004 -ich muss noch mal genau recherchieren – enormen Schaden angerichtet, aber das hier, hat für mich eher den Eindruck von systematischer Vernachlässigung. Die Bilder dazu, siehe oben.

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Die St. George’s Anglican Church von 1825

 

 

Gleich neben an befindet sich die St. George’ Anglican Senior Scholl, ein gutes Beispiel, wie den Kindern eine Perspektive geboten werden kann, um sie von der Straße fernzuhalten. Die angebotenen Karatekursen haben den anwesenden Jungen und Mädchen jedenfalls viel Freude gemacht.

 

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Ein gutes Beispiel für Kirchenarbeit

Weiter ging’s zur R.C. Cathedrale. Schon von draußen hörte man Musik. Das Innere der Kathedrale ist eher schlicht, nicht mit deutschem oder europäischem Prunk zur vergleichen. Im Inneren probte ein Kirchenchor. Spontan blieb ich eine ganze Weile sitzen und hörte zu. Eine Wohltat, zu dem ganzen Straßenlärm draußen. Es hatte was beruhigendes! Der Kirchenchor würde auch in Deutschland ganze Kirchen oder Konzerthäuser füllen können. Werde später, wenn ich wieder in Deutschland bin,  noch ein kurzes Video einspielen. (Nachtrag vom 28.01.16: kleine Kostprobe eingefügt)

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Die R.C. Cathedrale
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ein schlichter Altarraum
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Der Kirchenchor auf der Empore

Das daneben gelegene Internat scheint auch dem Verfall preisgeben zu werden, die Schule ist in einem benachbarten Neubau umgezogen.

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Ein ehemaliges Schulgebäude
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ein verlassener Klassenraum
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wenn nicht bald was passiert, die nächste Ruine
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Rechtsanwälte verdienen überall auf der Welt gutes Geld
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die Nachbarschaft guckt in die Röhre

Der angrenzende Friedhof unterscheidet sich auch grundsätzlich von deutschen Friedhöfen. In Deutschland ist ja nun Mal alles reglementiert.

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ohne Worte
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Blick auf Fort George

Nach einem kurzen Mittagssnack an Bord, wollte ich noch die andere Stadthälfte besichtigen. Dort wo die großen Jachten liegen, der Botanische Garten wäre ein Ziel gewesen. Das Fort Meverick und Fort Frederick habe ich nicht besucht, nach der Enttäuschung von Fort George’s nur verständlich. Die beiden sollten in einem noch miserableren Zustand sein!

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Fort Matthew oder Fort Frederick?
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nein, zu gut bewacht
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es ist das staatliche Gefängnis
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das ist glaub ich Fort Matthew
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oder Fort Frederick?

Immer der Wharf-Street entlang zog sich der Weg. Auch hier wieder, die mangelnde Beschilderung führte dazu, dass ich den Botanischen Garten nicht gefunden habe, bin dann einfach weiter Richtung Grand Anse Beach. Das ständige Gehupe der Sammeltaxis nervt! Ich wollte nicht mitfahren, ich traue den Brüdern einfach nicht. 3,2 Meilen entlang der dichtbefahrenen Hauptstraße kam ich endlich zum Grand Anse Beach. Hier nun der ersehnte weiße Sandstrand mit azurblauen Wasser. Zum Baden hatte ich aber keine Lust und auch keine Sachen dabei, deshalb zwei schnelle Fotos und den dann den gleichen Weg wieder zurück.

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Gottes Beistand wird ersehnt
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selbst im Ausland will der Deutsche nicht auf sein Schnitzel verzichten
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Das Gerichtsgebäude
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warum Tauchen, die Fische sieht man auch im Hafenbecken
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Blick auf Fort George’s
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endlich am Grand Anse Beach
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Sandstrand pur
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Blick zurück
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Blick auf den Grand Anse Beach von der AIDA aus

An Bord des Schiffes erstmal duschen und was kaltes trinken. Der Tag geht zu Ende und ich muss sagen, wie immer Licht und Schatten, aber eindeutig eine Verbesserung gegenüber St. Vincent.

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Themenabende
im Markt Restaurant - "Alpen"
im Weite Welt Restaurant - "???"
im Bella Vista Restaurant - "Afrika"

 

Morgen dann Bridgetown auf Barbados. Dort ist der Ausflug “Schwimmen mit Meeresschildkröten” über AIDA geplant. Ich berichte weiter, versprochen!

Veröffentlicht in Karibik 1 Seereisen

Ein Kommentar

  1. Interessanter Bericht.
    Historische Bauten in der Karibik sind in den meisten Ländern nicht mit denen in Europa zu vergleichen. Immerhin hat man vom Fort St. George einen schönen Ausblick und ist an einem der historischsten Orte der Insel.
    Mit den Minibussen bzw. Sammeltaxis kann man problemlos fahren – man sollte es sogar. Es ist eine der coolsten Erfahrungen und gehört zu Grenada wie die Tube zu London. Betrügen tut dort auch keiner, die möchten einfach nur die 2.50 EC$ für die Fahrt haben. 🙂 In sicher über 100 Minibusfahrten ist mir nie etwas passiert.

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